Endlich frostig-kühl

In Kürze

  • Das Wetter: Der November war in den beiden ersten Dekaden ungewöhnlich mild. Damit sind die Aussichten auf eine Waldtracht 2016 gestiegen!
  • Die Völker: Sie haben im November stärker gebrütet als sonst. Damit ist ihr Varroabefall angestiegen.
  • Was ist zu tun? Die „Restentmilbung steht erst in 3-4 Wochen an. Der Varroabefall sollte bis dahin unbedingt im Auge behalten werden. Gemülldiagnose(n) durchführen!

Der November 2015 war sehr mild und verabschiedet sich kalt. Am gestrigen Sonntagmorgen habe ich Eis von der Autoscheibe gekratzt. Beim Milbenzählen am Bienenstand „Widarschule“ rieselten mittags –bei strahlender Sonne– Schneeflocken vom Himmel.

Diese Witterung -nachts frostig kalt und tagsüber nur wenige Grad über Null- soll deutschlandweit bis Anfang Dezember anhalten. Nachts besonders kalt wird es in den nächsten Tagen im Süden und Osten der Republik.

Eine Witterung wie am Herbstende des Vorjahres, nur etwas früher. Sie wird dazu führen, dass auch die zurzeit noch (oder wieder) brütenden Völker das Brüten einstellen und in etwa drei Wochen  brutfrei sind. Wenn es dann –ab Mitte Dezember –  immer noch oder wieder kalt ist, steht –wie jedes Jahr vor Weihnachten–  die Restentmilbung durch Träufelbehandlung mit Oxalsäure an.

Vorher sollte eine Gemülldiagnose zur Abschätzung des Varroabefalls durchgeführt werden.  Dann weiß man was man noch (oder wieder) an Milben in seinen Völkern hat und kann auch Sitz, Stärke und Zustand der Völker beurteilen, ohne sie öffnen zu müssen.  Damit sich genügend Gemüll in der Windel ansammelt, sollten die Windel länger als in der warmen Jahreszeit üblich, nämlich 7-10 Tage einliegen.

Die Völker haben im sehr milden November 2015 mehr Brut aufgezogen als im Spätherbst üblich. Das hat auch eine entsprechend stärkere Vermehrung der Varroamilben zur Folge gehabt. Der natürliche Milbenfall ist angestiegen und wird bis zum Auslaufen der Brut weiter ansteigen.

Das Gemüll der vorgestern und gestern  von mir kontrollierten 97 Völker an 5 Bienenständen in und um Bochum war nur bei 2 Völkern milbenfrei. Der natürliche Milbenfall  –1 Woche lang erfasst– lag im Durchschnitt der 97 untersuchten Völker bei 4,8 Milben pro Tag. Bei 6 Völkern waren mehr als 10 Milben/Tag gefallen. Bei 91 Völkern lag der natürliche Milbenfall unter 10 Milben/Tag und im Durchschnitt bei 2,7 Milben/Tag. Weniger als 1 Milbe/Tag wurde bei 30 der 97 Völker gezählt.

Zu diesen 97 Völkern gehören auch die 10 Völker des Bienenstandes „Schrebergarten“. Ihre imkerliche Bearbeitung wurde auch in 2015 „von der Auswinterung bis zur Einwinterung“ mit der Kamera festgehalten. Die Kurzfilme werden Anfang 2016 fertiggestellt.

Die Völker wurden am 21. November 2015 geschätzt. Sie sind stärker als im November 2014 und haben auch mehr „Restmilben“ als im Vorjahr.

Zwei Völker waren brutfrei. Die Völker mit der meisten Brut haben offensichtlich auch die meisten Milben (Abb. 1). Bei keinem Volk waren Varroaschäden zu erkennen, an der Brut nicht, an den Bienen nicht und es gab keinen übermäßig hohen Bienentotenfall auf dem Gitterboden und auch kein Totenfall am Flugloch (Bild 2).

Im Gemüll fast aller 97 Völker waren neben den dunklen Milben auch helle Milbenstadien zu finden (Bild 1). Sie fallen beim Schlupf befallener Brut an. Auf diesen Umstand sollte man bei den bevorstehenden Gemülldiagnosen achten. Solange helle Milbenstadien im Gemüll landen haben die Völker noch Brut. Dann liegt der Umrechnungsfaktor, mit dem man vom natürlichen Milbenfall auf die Anzahl der Varroamilben im Volk hochrechnet,  auch deutlich niedriger als bei brutfreien Völkern (Abb. 2).

Bild 2 zeigt den Bienentotenfall des mit Abstand am stärksten befallenen Volkes (von 97) vor dem Flugloch. Es hatte Mitte November einen natürlichen Milbenfall von 57 Milben/Tag.  Da hat der Imker „geschlafen“. Eine „Notbehandlung“ ist erfolgt.

Dr. Gerhard Liebig, Bochum, e-mail: immelieb@t-online.de

nov_2015_1

Abb. 1. Volksstärke, Futtervorrat und Varroabefall der Völker des Bienenstandes „Schrebergarten“ am 21. November 2015. Als Gradmesser für den Varroabefall dient der natürliche Milbenabfall (Milben/Tag, rechte y-Achse) im Gemüll. Das Gemüll wurde eine Woche lang aufgefangen. Fast alle Völker gehen stärker in den Winter als im Vorjahr. Und sie haben auch mehr „Restmilben“. Relativ stark an Bienen und Brut sowie relativ stark befallen sind die am 23. Oktober wiedervereinigten  „TuB“-Völker.

nov_2015_2

Abb. 2. Der Vergleich des natürlichen Milbenfalls von 20 Jungvölkern (sie gehören nicht zu den „97“) am Bienenstand „M“ in der Kanalzone des Ruhrgebietes mit dem Milbenfall, der durch eine „OTu“-Langzeitbehandlung ausgelöst wurde. Vier Wochen nach Behandlungsbeginn lag der Milbenfall bei fast allen Völkern unter 1 Milbe/Tag. Die Völker haben vor und während der Behandlung gebrütet. Der durchschnittliche Umrechnungsfaktor liegt bei 119 und damit genauso hoch wie 1984, als in einer Hohenheimer Untersuchung das erste Mal der Zusammenhang zwischen dem natürlichen Milbenabfall und dem Varroabefall von brütenden Völker im Sommer/Herbst beschrieben wurde. Der durchschnittliche Umrechnungsfaktor lag damals bei 120. Die Einzelwerte haben ähnlich stark gestreut.
Die Behandlungsmethode mit „OTu“ (= Oxalsäuretuch) ist noch in der Entwicklung.

 nov_2015_3

Bild 1: 3 helle Milben im Gemüll. Sie haben die für die Varroamilbe typische breitovale Form, sind häufig –weil „dünnhäutiger“ als die erwachsenen dunkelbraunen Milben– etwas geschrumpelt und können deshalb leicht übersehen werden. Sie werden mitgezählt! Sonst stimmt die Hochrechnung nicht.

nov_2015_4

Bild 2: Bienen-Totenfall am Flugloch des Volkes „W3“. Eine Begleiterscheinung der Krankheit „Varroose“. Sie tritt im Herbst auf, wenn die Schadenschwelle von „10 Milben/Tag“ im Gemüll überschritten wird. Das war hier bei „57 Milben/Tag“ der Fall.
In solchen Fällen muss umgehend eine Behandlung erfolgen, bevor das Volk an „Varroose“ eingeht.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemeine Imkerei, Waldtracht veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.