April, April, der macht was er will

Drohnenbrut sollte regelmäßig entfernt werden.

In Kürze:
Die zweite Aprildekade soll durchgehend kühl bleiben und die dritte kühl beginnen.
Die Völker wachsen.
In den Honigräumen ist wenig los.
Erste Drohnenbrut schneiden!

Der März hat sich sommerlich verabschiedet. Der April hat frühlingshaft begonnen und am 9. April deutschlandweit bewiesen, dass auch er „sommerlich“ kann. Seitdem macht er kühl weiter: nachts nahe Null, tagsüber nur wenig  – wenn überhaupt  –  über 10° C.  Besonders eindrucksvoll ist diese langfristige Temperaturtrendprognose beim Deutschen Wetterdienst dargestellt (Abb. 1).

Abb. 1: Die Trendvorhersage für Maximal- und Minimaltemperatur (Mittelwerte und Schwankungsbreiten) vom 18.April bis 28. April 2017 für Nordrhein-Westfalen, kopiert am 14. April um 13:10 Uhr.  Quelle: http://www.dwd.de/DE/leistungen/trendvorhersage_regional/trendvorhersage_regional.html

Doch auch der Blick zurück lohnt sich (Abb. 2). Das seit Mitte Februar immer wieder frühlingshafte Wetter hat die Bienenvölker veranlasst, ihr Brutnest stark auszudehnen. Seit Anfang März schlüpfen Bienen in stetig steigender Anzahl. Das sorgt für noch mehr Brut. Im insgesamt sehr warmen März breitete sich rasch das „Große Blühen“ aus. Die Pollenversorgung von Honigbienen, Hummeln und anderen Wildbienen war und ist gewährleistet.

Anfang April hatten die Bienenvölker drei- bis viermal so viele Brutzellen wie Bienen. Diese Brut schlüpft ab Mitte April. In der Folge könnten besonders starke Völkern leicht in Schwarmstimmung geraten. Ob sie es dann auch bleiben hängt auch vom Wetter ab.

Abb. 2. Der Verlauf der Tageshöchsttemperatur der Wetterstation Dortmund-Werdecke und das Brutgeschehen in den Völkern vereinfacht dargestellt. Quelle:  http://www.wetteronline.de/rueckblick?gid=10416

Die anhaltend kühle Witterung lässt den Nektareintrag sehr bescheiden ausfallen. Vielerorts reicht er noch nicht einmal dazu aus, dass Völker ihr Gewicht halten. Deshalb tut sich in den aufgesetzten Honigräumen wenig bis gar nichts. Die Baurahmen wurden oder werden ausgebaut und sind bebrütet.

Was ist am Bienenstand zu tun?

Etwa drei Wochen nach Einhängen des Baurahmens, in vielen Fällen gegen Mitte April, ist die erste Drohnenbrut zu ernten, bevor die Drohnen zu schlüpfen beginnen.
Dieser Eingriff wird mit einer Kippkontrolle verbunden:

1. Blechhaube abheben und verkehrt herum auf den Boden legen.
2. Honigraumzarge abheben, dabei ihr Gewicht abschätzen und schräg auf die Blechhaube setzen.
3. Mit dem Stockmeisel die obere Brutraumzarge von der unteren lösen, etwas zurückziehen und danach nach vorne kippen.
4. Mit etwas Rauch die Bienen nach oben bzw. nach unten in die Wabengassen treiben.
5. Die Wabenränder nach „Spielnäpfchen“ und möglichen Schwarmzellen absuchen.  Mit einer LED-Taschenlampe lässt sich leichter erkennen, ob ein Weiselbecher belegt ist.
6. Den Zustand des eingehängten Baurahmens beurteilen.
7. Wenn keine Gefahr im Verzug ist – das dürfte die Regel sein – , jedoch der Baurahmen schneidereif ist, die obere Brutraumzarge wieder aufsetzen, das Absperrgitter lösen, eine Randwabe ziehen und zur Seite stellen, den Baurahmen frei drücken, die Drohnenwabe ziehen und nach der Königin absuchen, die Bienen abschütteln oder abfegen, die Drohnenbrut ausschneiden und in einem bereitgestellten Behälter sammeln, den leeren Baurahmen und anschließend die beiseite gestellte Randwabe wieder einhängen, das Absperrgitter auflegen, den Honigraum aufsetzen, die Blechhaube auflegen und mit einem Stein beschweren. Und zwischendrin bei Bedarf den Raucher betätigen.
8. Wenn ein Volk tatsächlich in Schwarmstimmung ist, muss die obere Brutraumzarge zur Seite gestellt werden, dann in der unteren Brutraumzarge jede Wabe gezogen und nach Abschütteln ihrer Bienen nach Schwarmzellen abgesucht und diese zerstört werden. Dasselbe Procedere geschieht mit den Waben der oberen Brutraumzarge nach ihrem Aufsetzen. Bei der Durchsicht dieser Zarge wird die Drohnenbrut des Baurahmens ausgeschnitten.
9. Vor dem nächsten Volk das Gesehene/Erlebte in ein Standprotokoll eintragen. Die Führung eines solchen Protokolls lohnt sich!

Vorlage für ein Standprotokoll. In den folgenden Newslettern wird das jeweils aktuelle Standprotokoll des Bienenstandes „Schrebergarten“ veröffentlicht und am Ende des Jahres 2017 eine Auswertung.

Das Verhalten der Bienen wird mit den Noten 1-6 beurteilt (1 = sehr ruhig, 2 = ruhig, 3 = unruhig, 4 = sehr unruhig, 5 = giftig („sticht“), 6 = sehr giftig.
Die Anzahl der besetzten Wabengassen wird bei den Zargen III (=Honigraum) und II (= obere Brutraumzarge) zweimal ermittelt, bei der Betrachtung von oben und von unten; bei der Zarge I von unten nur, wenn diese abgehoben wird.
Die Anzahl der Spielnäpfchen wird relativ beurteilt mit „wenig“, „viel“ oder „sehr viel“; die Anzahl der Schwarmzellen wird beim „Durchschütteln“ genau erfasst und dabei zwischen „mit Ei“, „mit Larve“ und „verdeckelt“ unterschieden. Beispiele: 12/1/0 oder 6/14/1.
Das Gewicht des Honigraumes wird erfühlt und mit „Anzahl voller Honigwaben“ angegeben. Die geschätzten Zahlen schwanken zwischen Null und 10.

8 Kommentare zu "April, April, der macht was er will"

  1. Hallo Herr Dr. Liebig,
    habe mir die im Beitrag enthaltene Vorlage für ein Standprotokoll rauskopiert. Das werde ich ab sofort auch benutzen. Damit behält man besser den Überblick über die Damen.

    Grüße aus Wiesbaden

  2. Rosemarie Bauer | 23. April 2017 um 17:45 | Antworten

    Danke Herr Dr.Liebig für alle Ihre gute Beiträge die ich mit grossem Interresse lese.Im 4. Jahr Imkerin sein,erfordert noch viel Wissen.Das Buch von Ihnen hilft mir auch oft weiter.Nun eine kurze Frage:Kann ich trotz niedrigen(10 grad) schon Ableger machen?oder lieber warten?vielen Dank für Ihre Antwort.Meine Bienen stehen in Mittelfranken.Vielen Dank Rosemarie Bauer

  3. Sehr geehrter Herr Liebig,

    vielen Dank für diesen vorzüglichen Beitrag. Wegen des Wetters hatte ich mich ebenfalls ziemlich gewundert. Ende März waren bereits die ersten warmen Sonnenstrahlen tagelang zu spüren, jetzt ist es wieder kühl. Damit hätte ich so eher nicht gerechnet, aber wieder einmal zeigt sich: Bei der Bienenzucht muss man flexibel sein! Ich danke Ihnen vielmals für diese interessanten Eindrücke. Ihren Blog kann man definitiv weiterempfehlen! Ich freue mich schon auf die neuen Beiträge.

    LG und eine schöne Woche,
    Martin O.

  4. Dorothea Axtmann | 17. April 2017 um 19:56 | Antworten

    Wie immer ist alle Info interessant und wichtig!
    Witzig, wie verschieden die Völker im Land bisher da stehen – hier – im Bonner Umfeld-schneide ich bereits zum 2. Mal Drohnenrahmen.
    Die Kirschen sind größtenteils verblüht, die Apfelblüte „läuft“ noch. Einige Völker haben bereits den 2. Honigraum gut in Bearbeitung. Erste Sammelbrutableger sind gebildet, eine erste Königin im Brutwabenableger geschlüpft.
    Zum Glück habe ich noch keine Schwarmstimmung, denn es ist echt kalt und ungemütlich! In Bonn-Beuel fiel der 1.Schwarm allerdings bereits am 31. März!
    Bin gespannt, wie’s weitergeht!

    • Hanspeter Walz | 25. April 2017 um 19:20 | Antworten

      Hallo Frau Axtmann,
      – 2. mal Drohnenrahmen geschnitten
      – 2. Honigraum angenommen
      – Brut entnommen und
      – keine Schwarmstimmung
      WO haben Sie die Königin (Rasse?) her?
      Vielen Dank für eine Antwort an den Bodensee

  5. Sehr geehrter Herr Dr. Liebig, auch von meiner Seite Dank für die Monatsbetrachtungen. Sie schreiben in Ihrer Monatsbetrachtung Mitte April, dass sich ein Standprotokoll lohnt, ohne jedoch die Vorzüge zu benennen. Für einen Anfänger wie mich stellt sich die Frage, was ich genau mit den dargestellten Informationen später anfangen kann. Könnten Sie eine kleine Erläuterung geben? Das wäre sehr nett und würde mir weiterhelfen. Frohe Ostern Ihnen und Ihren Bienen.

  6. Lieber Herr Liebig, ein interessanter Rückblick mit den entsprechenden Beobachtungen im Volk. Mich würde jetzt interessieren, ob die Völker bei der anhaltenden Kälte trotzdem neue Brut und wieviel Brut anlegen, wenn genügend Futter im Volk ist. Oder legt die Königin erstmal auf Sparflamme? Die Rapstracht steht bevor…..

  7. Vielen Dank für die reichhaltigen und ausführlichen Tipps, Herr Liebig! Bei uns hier im Hohen Westerwald (ab 450 m über NN) verschieben sich die Termine der Völkerbearbeitung aufgrund der „verspäteten“ Vegetationsperioden derzeit um etwa 3 oder auch 4 Wochen. Da die Erweiterung der Völker inkl. Baurahmengabe erst gegen Mitte April erforderlich wurde, ist ein Schneiden desselben wohl erst zum Monatswechsel erforderlich. Die in den Außenbereichen stehenden Obstbäume (Kirsche) zeigten erst in den wenigen vergangenen Tagen erste Anzeichen einer bevorstehenden Blüte. Die spannende Frage lautet: Wie wird wohl das bevorstehende Winterintermezzo die Natur in den oberen Mittelgebirgslagen „zurückwerfen“ bzw. schädigen?

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