September 2016: viel Tracht und wenig Milben

Eine gezogene Windel mit dem Gemüll (nach der Ameisensäurebehandlung).

In Kürze
Das Wetter:  Von Ende August bis Mitte September war es hochsommerlich warm. Die in diesem Zeitraum durchgeführten Ameisensäurebehandlungen sollten gut gewirkt haben.

Die Tracht: Während des sehr warmen Spätsommers hat vor allem das Indische Springkraut gehonigt. An einigen Ständen  –aber nicht überall (!)–  war die Tracht so gut, dass Alt- und Jungvölker (noch) nicht gefüttert werden müssen.

Die Völker: Da und dort sind ihre Brutnester stark verhonigt. Die Völker haben viel weniger Brut als sonst. Manche sind sogar brutfrei. Diesem „Brutknick“ wird ein „Bienenknick“ folgen. Bei der Einwinterung im Oktober muss unbedingt darauf geachtet werden, ob die Völker stark genug für die Überwinterung sind.

Die Milben: Der Varroabefall der Völker ist (noch) niedrig.  Dennoch oder deswegen ist er immer wieder durch Gemülldiagnose zu überwachen. Wer beobachtet weiß Bescheid und ist vor Überraschungen geschützt.

Während der sehr guten Spätsommertracht haben starke Völker so viel Honig eingetragen, dass sie gar nicht gefüttert werden müssen. Alle Völker –auch die schwächeren- haben den Honig brutnestnah eingelagert. Dabei ist ihr Brutnest sehr stark geschrumpft. Bei solchen Völkern lohnt es sich eventuell, eine leere Wabe vom Rand ins Zentrum zu hängen, um das Brutgeschäft wieder (schneller) in Gang zu bringen. Man kann diesen Eingriff auch bleiben lassen und alle Völker –auch die schwachen- vorerst sich selbst überlassen.

Mit dem Rückgang der Temperaturen auf herbstliches Niveau hat der Nektareintrag deutlich nachgelassen, auch wenn das Springkraut nach wie vor beflogen wird. Die Völker werden wieder leichter. Gegen Ende September sollte ihr Futtervorrat überprüft und eventuell ergänzt werden.

Zur Varroasituation

Für die erste Behandlung der Altvölker herrschten Ende August/Anfang September ideale  Bedingungen. Auch an den schattigen Standorten waren die mit 100 ml Ameisensäure gefüllten Flaschen nach drei Tagen leer. Der durch diese Behandlung ausgelöste Milbenfall hält etwa zwei Wochen an, weil die Ameisensäure auch in die verdeckelte Brut wirkt und die dort getöteten Milben erst fallen, wenn die Brut schlüpft. Erst nach dem Schlupf dieser Brut stellt sich wieder natürlicher Milbenfall ein. Er sollte erfasst werden, bevor eine weitere Behandlung durchgeführt wird.

Das Gleiche gilt auch für die Jungvölker. Sie werden erst behandelt, wenn ihre Auffütterung abgeschlossen ist.  Weil sie nur in einer Zarge sitzen, wird der Dispenser nicht mittig, sondern hinten und am Rand platziert, und zwar so, dass der Docht nicht über Wabengassen mit Brut zu liegen kommt. So kann Brutschäden vorgebeugt werden.
Wer Probleme bei der Varroabehandlung hat kann sich immelieb@t-online.de wenden.

 Hinweise für die Winterauffütterung

Welches Futter?

Für die weitere Volksentwicklung incl. Überwinterung ist es egal, ob die Völker mit Zuckerwasser, Sirup oder Futterteig aufgefüttert werden. Zuckerwasser und Sirup werden schneller abgenommen als Futterteig.

Während der Auffütterung wird Futter verbraucht. Unabhängig davon welches Futter gegeben wird  gilt als Faustformel: „1 kg Zucker (Trockensubstanz) ergibt 1 kg Winterfutter in den Waben“.

Der im Handel erhältliche Sirup hat einen Zuckergehalt von 75%. Bei seiner Verfütterung kann man davon ausgehen, dass aus 1 Liter Sirup 1 kg Winterfutter entsteht.

Futtermenge und Anzahl der Futtergaben

Die Anzahl der Futtergaben richtet sich nach der Größe des Futtergefäßes und nach der Wabenzahl der besetzten Beute.

1-Zargen-Völker sitzen auf 10 Zanderwaben und erhalten weniger Futter als 2-Zargen-Völker (mit 20 Zanderwaben).

1-Zargen-Völker sollten mit 12 kg Winterfutter (das entspricht 6 vollen Futterwaben) in den Winter gehen. Die Fläche von 4 Waben wird im Herbst für Brut und Pollen gebraucht. Dort richtet das Volk auch seinen Wintersitz ein.

2-Zargen-Völker sollten nach der Auffütterung einen Vorrat von 16 kg (oder etwas mehr) haben.

Wenn bereits vor der Auffütterung feststeht, dass und welche Völker im Oktober vereinigt werden (z.B. die beim „Teilen und behandeln“ entstandenen „Brutvölker“ mit ihren „Fluglingen“), dann werden diese so aufgefüttert, dass das sie nach der Vereinigung mindestens 16 kg Futter haben.

1-Zargen-Völker erhalten ihr Winterfutter in 2-4 Portionen ab Mitte September über einen Zeitraum von zwei Wochen. Als Futtergefäße sind geeignet Futtertaschen und Schüsseln, die mindestens 5 Liter fassen und in eine auf das Volk gesetzte Leerzarge gehängt bzw. gestellt werden. Das Volk wird mit einer Folie so abgedeckt, dass hinten (oder vorn) ein Spalt bleibt, durch den die Bienen in die Leerzarge und damit an das gereichte Futter gelangen können. Die Folie beugt Wildbau in der Leerzarge vor.

2-Zargen-Völkern kann das Winterfutter in einer Portion gegeben werden. Gut geeignet sind Stapelboxen.

Wann hat ein Volk genug Futter?

Durch Anheben des Volkes (von hinten genügt) kann man beurteilen, wie schwer bzw. ob ein Volk schwer genug ist. So lässt sich auf jeden Fall das leichteste Volk herausfinden.

Die Überprüfung des Gewichtes gelingt auch mit einer Kofferwaage. Man kann die Völker damit von hinten und von vorne wiegen und addiert die beiden Gewichtszahlen. Es genügt aber auch die Wägung von hinten und den so ermittelten Wert zu verdoppeln. Wenn die Völker in einer Einfachbeute (aus Weymouthskiefernholz, 10 Zanderwaben pro Zarge, mit Blechhaube) untergebracht sind, sollten  1-Zargen-Völker nach der Auffütterung etwa 28 kg wiegen und 2-Zargen-Völker 42 kg.

Wem diese Richtwerte nicht genügen und wer ohne Waage auskommen will kann auch den Futtervorrat des leichtesten Volkes mit der „Achtelmethode“ genau erfassen und danach den Vorrat der schwereren Völker beurteilen. Beim Schätzen hat man auch wieder Gelegenheit, Bienen und Königin hautnah zu erleben.

Es klappt nicht immer auf Anhieb!

Futter wird nicht abgenommen!

Dann ist die Entfernung zwischen Bienensitz und Futtergefäß in der aufgesetzten Leerzarge zu groß.

Abhilfe durch „Spur legen“, ohne dass Futterlösung  in den Gitterboden tropft. Einen mit Futterlösung (Sirup oder Zuckerwasser) leicht angefeuchteten Lappen über den Rand des Futtergefäßes hängen.

Oder Futtergefäß näher an den Bienensitz bringen, z.B. Futtertasche (2 [!] Waben breit; dicht [!], deshalb aus Kunststoff) an den Rand der von Bienen besetzten Zarge hängen. Zwei Waben müssen weichen. Sie werden während der Fütterung in der aufgesetzten Leerzarge untergebracht.

Damit die neben dem Bienensitz gehängte Futtertasche leichter gefunden wird, ein Ästchen in Sirup tauchen und als Brücke quer über die Rähmchen legen. Mit Folie abdecken und Innendeckel verkehrt herum auflegen.

Bienen dürfen nicht ersaufen!

Deshalb auf das Futter eine Schwimmhilfe (eine dichte Schicht von Korken, Kiefernzapfen, passend geschnittene oder gebrochene Zweigstücke oder Pflanzenteile, Gras) geben.

Bei Futtergefäßen mit senkrechten und glatten Innenwänden ist auch eine Aufstieghilfe notwendig (ein über eine Wand gehängter Lappen oder in den Behälter eingestelltes passend gebrochenes Zweiggestrüpp).

Fütterung soll keine Räuberei auslösen!

Nach der Futtergabe nimmt der Flugbetrieb zu, sobald das Futter entdeckt wird. Deshalb abends Futter reichen. Fluglöcher von schwachen Völkern klein halten.

4 Kommentare zu "September 2016: viel Tracht und wenig Milben"

  1. Ich habe mich über alles sehr gefreut!!!

  2. Ich finde es wirklich klasse, dass Sie sich all diese Mühe machen und die Informationen uns mitteilt. Danke dafür.
    Gruß Karin

  3. traudi winklmann | 3. Dezember 2016 um 23:00 | Antworten

    Sehr geehrter Herr Dr. Liebig. Ich imkere seit 3 Jahren und es beschaeftigt mich die Frage: Wie lange kann die varroamilbe jetzt im Winter im Stock ueberleben wenn keine Brut vorhanden ist? Saugt sie solange an den Bienen bis wieder Brut da ist? vielen Dank, Gruesse aus dem Allgaeu

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