Die Bienensauna im Test

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Seit März 2016 ist die Bienensauna im Langzeit-Test. Er soll 14 Monate dauern. Während dieses Zeitraumes werden alle Wirkungen der Bienensauna, mit denen sie auf der Website www.bienensauna.de beworben wird, nach exakten wissenschaftlichen Kriterien geprüft.

  • So sollen sich durch Frühjahrsbehandlungen starke Völker entwickeln, mit denen 20 % mehr Honig geerntet werden kann.
  • Mit der Bienensauna soll eine effektive Gesundheitspflege bei Kälte- und Regenperioden und bei Kalkbrut erreicht werden.
  • Mit einem Sonderprogramm schafft die Bienensauna „beste Bedingungen für die Königinnen-Zucht“.
  • Eine Herbstbehandlung mit der Bienensauna „senkt den Totenfall in der Überwinterungszeit“.
  • Mit der Bienensauna behandelte Völker wintern stärker aus als unbehandelte Völker.
  • Grundsätzlich ist die Behandlung zu jeder Zeit möglich. Notfalls sogar im Winter.
  • „Bei Neuinfektionen kann jederzeit zwischendurch behandelt werden.“
  • Zum Leistungsangebot der Bienensauna gehören auch ein „Programm zur Honigreife“ und last but not least „Anti-Varroa-Programme“ für Völker mit und ohne Brut.
  • „Mit der Bienensauna können ImkerInnen ihre Bienen auf natürliche und unschädliche Weise von Milben befreien. Die Biene „schwitzt“ sich gesund, während die wärmeempfindliche Milbe stirbt“.

Die Vertreiber der Bienensauna sind davon überzeugt, dass ihr Gerät die mit Abstand beste Methode zur Bekämpfung der Varroamilbe bietet. In der F.A.Z. vom 18. März 2016 war zu lesen, dass das Unternehmen in 2015 250 Bienensaunen verkauft hat, in 2016 sollen es doppelt so viele werden.

Saunabesitzer nehmen an einem im Herbst 2015 angelaufenen Feldversuch teil, dessen Verlauf und dessen Ergebnisse bisher im Dunkeln blieben. Die am 19.März 2016 per Rundmail angebotenen Updates für die Behandlungsprogramme lassen vermuten, dass die bisher erzielten Ergebnisse nicht zufriedenstellend waren.

Auf der Website ist nach wie vor nur die Beschreibung des Milbenfalls zweier Völker zu finden, die im September behandelt wurden (siehe auch „Die Bienensauna unter der Lupe„).

Im auf www.bienensauna.de genannten Feldversuch sollen der Milbenfall vor und nach der Wärmebehandlung, die Populationsstärke und der Honigertrag der behandelten Völker erfasst werden. Bisher existiert  nur eine Anleitung, wie der Milbenfall vor, während und nach der Wärmebehandlung erfasst werden soll. Wie die Auswirkung auf die Volksentwicklung und der Honigertrag zu beurteilen sind fehlt. Des Weiteren fehlen auch Daten, mit denen die anderen oben aufgezählten positiven Effekte belegt sind oder belegbar wären.

Was im Langzeit-Test untersucht wird

Für den hier vorgestellten Langzeit-Test stehen an zwei Bienenständen jeweils 16 Völker zur Verfügung, deren Entwicklung in 2016 von der Auswinterung bis zur Einwinterung durch regelmäßige Populationsschätzungen verfolgt wird.

Der Varroabefall der Völker und auch der durch Behandlung ausgelöste Varroa-Abfall werden durch Gemülldiagnose überwacht. Der Honigertrag wird durch Wiegen der geernteten Honigwaben vor und nach der Schleuderung ermittelt.

Die 16 Völker jedes Standes wurden unmittelbar nach der Auswinterung in 8 Paare eingeteilt, so dass jedes Paar aus gleich starken  bzw.  gleich schwachen Völkern besteht.
Im März/April wurde bzw. wird jede Woche ein Volk jedes Paares mit der Bienensauna behandelt. Das andere Volk bleibt unbehandelt.

Im Zeitraum April-Juni wird in den mit der Bienensauna behandelten und nicht behandelten Völkern  die Drohnenbrut als Varroafalle genutzt und nach der Verdeckelung auf Varroabefall untersucht.

Im Mai/Juni werden an beiden Ständen jeweils 2 Pflegevölker zur Aufzucht von Königinnen erstellt (nach dem Konzept der „Völkervermehrung in vier Schritten“).  Dazu wird jedem der 16 Versuchsvölker ein „Brutbrett“ mit den ansitzenden Bienen (und ohne Königin) entnommen. An jedem Bienenstand wird das eine Pflegevolk aus den Brutwaben von zuvor mit Bienensauna behandelten Völkern gebildet und das andere aus den Brutwaben der Völker, die nicht mit der Bienensauna behandelt worden sind. Die beiden Pflegevölker eines Standes werden unmittelbar nach ihrer Bildung zur Königinnenaufzucht an den anderen Standort verstellt. Bei allen vier Pflegevölkern wird der natürliche Milbenfall von ihrer Bildung am Tag x bis zu ihrer Auflösung am Tag x+21 durch Gemülldiagnose erfasst und mit dem Varroa-Abfall nach Sprühbehandlung der Begattungsvölkchen verglichen.

Das vom Hersteller angebotene „Sonderprogramm“, mit dem „beste Bedingungen für die Königinnen-Zucht“ versprochen werden, wird an einem dritten Bienenstand getestet. Dazu werden zwei weitere Pflegevölker gebildet und eines mit der Bienensauna behandelt. Das genaue Wann und Wie dieses „Sonderprogramms“ steht noch „in den Sternen“. Auch ist noch unbekannt wie der Effekt der „besten Bedingungen“ bei der „Königinnenzucht“ zu messen ist.  Die Wirkung der vorgesehenen Behandlung mit der Bienensauna auf den Varroabefall des Pflegevolkes wird durch fortlaufende Gemülldiagnose und durch Nachbehandlung der brutfreien Begattungsvölkchen, die aus den Pflegevölkern gebildet werden, erfasst.

Unmittelbar nach der Frühjahrshonigernte wird ein ausführlicher Bericht über die von März bis Juni erzielten Ergebnisse erstellt, der auf dieser Website www.immelieb.de veröffentlicht wird.

Über den Autor

Gerhard Liebig
Hier schreibt Dr. Gerhard Liebig. Er war 37 Jahre lang an der Landesanstalt für Bienenkunde in Stuttgart-Hohenheim angestellt und hat dort in Langzeitprojekten die Populationsdynamik von bienenwirtschaftlich wichtigen Honigtauerzeugern auf Fichte und Tanne sowie die Entwicklung von Bienenvölkern und ihres Varroabefalls untersucht.

2 Kommentare zu "Die Bienensauna im Test"

  1. Siegfried Stoll | 10. April 2018 um 20:06 | Antworten

    Diese Bienensaunas sind nur Geldmaschienen ohne Wirkung.
    Faule Eier.

  2. Respekt! Viel Mühe mit dem Artikel gemacht!

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