Die Schwarmzeit hat begonnen

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In Kürze:

  • Nach wechselhaftem Wetter im April hat der Mai kühl und feucht begonnen. So soll das Wetter auch bis Mitte Mai bleiben.
  • Das Große Blühen wird (deshalb) langsam zu Ende gehen.
  • Die Völker haben sich im April gut entwickelt und ausreichend Pollen und Nektar sammeln können. Nachzügler werden aufholen.
  • Die ersten Völker sind in Schwarmstimmung. Deshalb sind ab sofort regelmäßige Schwarmkontrollen angebracht.
  • Die Zeit der Völkervermehrung beginnt.

Der April war in seiner ersten Hälfte „durchwachsen“, dann ein paar Tage lang sommerlich und endete relativ kühl. Die 9 Sommertage nach der Monatsmitte haben zu einem beständigen Nektareintrag geführt. Die beiden Waagstockvölker am Lehrbienenzentrum Hohenstein bei Witten und am Bienenmuseum in Duisburg sind zwischen dem 15. und 24. April Tag für Tag schwerer geworden (Abb. 1).

Abb. 1. Die tägliche Gewichtsveränderung des Waagstockes am Lehrbienenzentrum Hohenstein und am Bienenmuseum Duisburg im April und Anfang Mai  im Vergleich mit den am Waagstock Hohenstein registrierten Temperatur-Maxima („T max“).  Die Gewichtszunahmen am Hohenstein am 3. April und am 13. April (rot markiert) sind wahrscheinlich auf Regenfall zurückzuführen. Der auf der Blechhaube des Volkes liegende Stein ist mit Moos bewachsen, das vorübergehend Regenwasser speichert, was den Stein vorübergehend schwerer macht.

Das Volk am Bienenmuseum hat in diesen 10 Tagen etwa 12 kg zugelegt, das Volk am Hohenstein mit etwa 6 kg nur halb so viel. Woran liegt das wohl? Entweder ist das Volk am Bienenmuseum (deutlich) stärker oder das Trachtangebot im Flugkreis des Bienenmuseums Duisburg ist besser als im Flugkreis des Lehrbienenzentrums am Hohenstein. Vielleicht trifft auch beides zu. Man kann gespannt sein, wie es im Mai weitergeht.

Was zum Schwärmen führt

Bereits im April gerieten einzelne Völker in Schwarmstimmung. Im Mai werden andere folgen. Wahrscheinlich werden am ersten Tag im Mai, an dem mittags das Thermometer auf über 20° C ansteigt, deutschlandweit Schwärme abgehen. Das sind die Folgen:

  • Abgeschwärmte Völker bringen (vorerst) keinen Honig mehr.
  • Die Schwärme sind dem Tode geweiht, wenn sie nicht gefangen werden.
  • Die meisten Unfälle in der Imkerei passieren beim Schwarmfang.

Diese Aussagen sollten als Argumente ausreichen, um dem Schwärmen vorzubeugen und –wenn die Vorbeugung nicht gelingt– das Schwärmen zu verhindern. Die Schwarmvorbeugung setzt an der Ursache an. Sie ist in der Biologie der Honigbiene begründet (Abb. 2).

Abb. 2. Das Schwärmen ist in der Regel auf den Zeitraum Mai/Juni beschränkt. Es gehört zur Natur des Bienenvolkes. Die Ursache für das Auftreten von Schwarmstimmung lässt sich aus der Volksentwicklung ableiten, sie ist vorprogrammiert. Die Honigbiene vermehrt sich durch Schwärmen. Der Schwarmakt führt dazu, dass sich ein Volk teilt, aus einem Volk werden mindestens zwei.  

Der „Schwarmtrieb“ erwacht, sobald zu viele Ammenbienen als solche nicht mehr ausreichend beschäftigt sind. Wenn die Königin im Frühjahr mit der Eiablage beginnt und von Tag zu Tag mehr Eier ablegt ist die Vollbeschäftigung der Ammenbienen gesichert; denn aus den Eiern schlüpfen Larven, die gefüttert werden müssen. Doch schlüpfen in der Folge auch immer mehr Bienen, die nach ihrem Schlupf als Ammenbiene tätig werden wollen. Sie verdauen Bienenbrot und Honig und produzieren Futtersaft und Futterbrei, mit dem sie ihre jüngeren Schwestern (und Brüder) füttern. Eine Ammenbiene kann mehr als eine Larve versorgen.

Wenn sie den Futtersaft nicht loswerden, weil es nicht genügend Abnehmer gibt, erwacht der sogenannte „Schwarmtrieb“. Der Schwarm-Countdown beginnt sichtbar mit dem Bestiften von Weiselbechern, die bevorzugt an den Wabenrändern angelegt worden sind. Vom Bestiften bis zur  Verdeckelung vergehen 8 Tage.

Die Verdeckelung der ersten Schwarmzelle ist das Signal für den Schwarm aufzubrechen, sobald das Wetter schön ist. Wer das verhindern will sollte/muss seine Völker im Abstand von 7 Tagen kontrollieren. Das geht relativ einfach, wenn die Völker im zweigeteilten Brutraum sitzen und mit Absperrgitter geführt werden:

  • Honigraum abnehmen und zur Seite stellen,
  • obere Brutraumzarge ankippen und die Wabenränder sorgfältig nach Schwarmzellen absuchen.
  • Eine Taschenlampe hilft dabei, auch bestiftete Schwarmzellen zu erkennen.

Wenn Schwarmzellen entdeckt werden  –eine Zelle mit Ei genügt! – dann müssen alle Waben des Brutraumes auf Schwarmzellen abgesucht und diese zerdrückt werden.
Wie geht man dabei  vor?

  • Zuerst wird die obere Brutraumzarge abgehoben und beiseite gestellt.
  • Dann werden die Waben der unteren Brutraumzarge gezogen, die Bienen abgeschüttelt und sorgfältig nach Schwarmzellen abgesucht.
  • Dasselbe geschieht anschließend mit den Waben der oberen Brutraumzarge nach dem Wiederaufsetzen.
  • Danach wird das Volk wieder zusammengebaut: Absperrgitter auflegen und Honigraum aufsetzen.

In den 7-Tage-Rhythmus der Schwarmkontrollen integriert wird das Ausschneiden des Baurahmens. In der Regel dauert es höchstens eine Woche, bis der Baurahmen (wieder) ausgebaut und bestiftet  ist. Die Fütterung von Drohnenlarven beschäftigt Ammenbienen!

Nach einer oder zwei weiteren Wochen ist die angelegte Drohnenbrut komplett verdeckelt. Solche Drohnenbrutwaben werden entnommen, bevor die Drohnen schlüpfen!  Bei Schwarmstimmung wird der Baurahmen nicht ausgebaut!

Ableger bilden

Mit dem Schröpfen von „Brutbrettern“ (mit viel verdeckelter Brut) und ihren ansitzenden Bienen (und ohne Königin!) kann dem Schwarmtrieb begegnet werden.
1 Brutbrett + 1 Futterwabe + 1 Mittelwand = 1 Brutableger.

Auf dem Brutbrett sollte auch etwas jüngste Brut zum Nachschaffen sein. Bei schwachem Bienenbesatz des Brutbrettes werden die Bienen von einer zweiten (Brut-)Wabe (ohne Königin!) dazu geschüttelt.

Wer Sorge hat, die Königin zu übersehen und mitzunehmen, kann das entnommene Brutbrett auch mit Bienen aus dem Honigraum versorgen. An die Stelle des entnommenen Brutbrettes kommt eine Mittelwand. Der Brutableger wird außerhalb des Flugkreises mit kleinem Flugloch aufgestellt.

Wer viele Völker hat (mehr als 6) bildet einen Sammelbrutableger und startet mit ihm die „Völkervermehrung in vier Schritten“ mit integrierter Königinnenaufzucht.

Die im Mai am Bienenstand anfallende Arbeit in Kürze

  • Regelmäßige Schwarmkontrollen im Abstand von 7 Tagen.
  • Regelmäßiges Ausschneiden der im Baurahmen angelegten Drohnenbrut im Abstand von 14 oder 21 Tagen
  • Die Anfang/Mitte Mai gebildeten Brutableger werden 21 Tage nach ihrer Bildung – dann sind sie brutfrei – mit Milchsäure oder Oxalsäure eingesprüht. Mit den am Tag x gebildeten Sammelbrutablegern/Pflegevölkern wird nach Plan verfahren:
    * Am Tag x+9 Nachschaffungszellen brechen, auf 20 Waben erweitern und einen Zuchtrahmen einhängen.
    * Am Tag x+(14-)19 werden die Königinzellen mit Begleitbienen verschult.
    * Am Tag x+21 werden die Pflegevölker in Begattungsvölkchen (= 1 „Bienenwabe“ [mit mindestens tausend Bienen besetzt] + 1 Futterwabe  + 1 Jungkönigin) aufgelöst und jede Bienenwabe beim Umhängen in ein Magazin bzw. in das Abteil eines „Viererbodens“ mit Milchsäure oder Oxalsäure eingesprüht.

Außer nach den Völkern lohnt es sich vielleicht auch, bereits im Mai nach Läusen Ausschau zu halten; denn es heißt: „Ein lausiges Frühjahr bringt einen verlausten Sommer“.


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Über den Autor

Gerhard Liebig
Hier schreibt Dr. Gerhard Liebig. Er war 37 Jahre lang an der Landesanstalt für Bienenkunde in Stuttgart-Hohenheim angestellt und hat dort in Langzeitprojekten die Populationsdynamik von bienenwirtschaftlich wichtigen Honigtauerzeugern auf Fichte und Tanne sowie die Entwicklung von Bienenvölkern und ihres Varroabefalls untersucht.

9 Kommentare zu "Die Schwarmzeit hat begonnen"

  1. Manfred Riedel | 25. Mai 2019 um 17:43 | Antworten

    Hallo Herr Liebig,
    da schaue ich nach längerer Zeit mal wieder auf Ihre Seite – und was lese ich. Immer noch diese Ammenmärchen (Sie mögen ja auch die Wortspiele)!
    Zu den Fakten: Eine meiner Völkergruppen steht im Streuobstwiesengebiet, seit 4.5. kommt praktisch keine Nektar und nur relativ wenig Pollen rein. Die starken Völker sitzen eng im Angepassten Brutraum (und relativ weit im HR). Die K hat logischerweise Eiablage reduziert, so dass verdeckelte Brut samt Ammenbienen dominieren. Nach Ihrer Theorie müssten alle schwärmen wollen. Fakt ist aber, dass am 23.5. keine einziges dieser V (mehr) in Schwarmstimmng ist.
    Andere Gruppen stehen im Spätraps(Gewschisterk., gleiche Betriebsweise, gleich stark). Pollentage (es kommt nur Pollen rein) überwiegen, wenige Trachttage mit 5-6 kg. Ergebnis. Ca 50% der V hat echten Schwarmtrieb, der Kontrolle erforderlich macht.
    Die Entstehung des Schwarmtriebes ist unerforscht. Es ist komplizierter (wie mit den Läusen!!!, als Sie glauben machen wollen. Die (Ihre) Ammentheotrie stimmt definitiv nicht; als viel wahrscheinlicher sehe ich die Anwesenheit und den Eintrag von Pollen.

    Wünsche weiterhin alles Gute!
    Manfred Riedel
    Aspach

    • Hallo,
      Mir geht es genauso wie Herrn Riedel.
      Kein Nektar, kaum Pollen, tagelang im Mai kein Flugwetter. Meine Bienen haben kaum noch Brut, die Königinnen beginnen erst jetzt wieder zu legen. Die im April teilweise beginnende Schwarmstimmung ist weg!
      Die Bienen richten sich nicht nach dem Kalender oder den Regeln von Herr Liebig.
      Beste Grüße
      Ingrid Wolf
      Rietenau

      • R.E.
        Guten Abend
        Waren es, doch in April Sommerliche Temperaturen & Flugwetter.
        Und die Bienen sind gewachsen.Außer Sie waren nicht gut versorgt.
        Wenn die Königin legt und die Bienen schlüpfen,
        sind doch viele Jungbienen,
        im Volk,die Futtersaft abgeben möchten.
        Und wenn’s es im Volk kein Platz gibt & Futter fehlt
        Schwärmen Sie.Sobald die erste Königinen -Zelle verdeckelt ist,und das Wetter gut ist.Natur in der Sache.

        So ist es.Wenn Futter fehlt dann hungern Sie.
        So gibt’s Hunger-Schwärme.
        Sie schreiben,die Bienen richten sich nicht,nach dem Kalender.
        Je kleiner das Hirn,desto klüger. Bienen wissen was Sache ist.
        So viele Schwärme wie Mai/Juni 2019 noch nie gesehen.
        Zuviele Jung-Bienen-Überfluss – bringt die,Bienen zum Überleben.
        Schon viele Millionen von Jahren.Eine Volk schaft es,oder viele.
        Sitzen nicht im Kasten & jammern Sie machen was,weiter leben,nicht jammern.

        Was Imker glauben & Bienen tun, ist ein großer Unterschied.

        Glauben hat nichts mit Wissen zu tun & wahrscheinlich
        schon gar nicht.Seit Uhrzeiten ist es so,wie Dr.G.Liebig & usw.
        sagen & lernen.Das Problem – Imker* steht hinter dem Bienenvolk.
        Läuse schwärmen auch aus, vermehren sich warm wohl?-weiterleben.
        So isset.
        MfG R.E.

  2. Guten Tag
    Wenn,s im Bienen-Kasten Tütet & Quakt!! Dann,hat,s der Imker*
    verpennnnnnnnt
    Ja dann macht Er. Einwaben- Ableger nach Dr.Aumeier.Einfach & Gut
    MfG R.E

  3. Klaus Grözinger | 6. Mai 2019 um 06:32 | Antworten

    Hallo,
    bei uns ging von einem eher schwachen Volk bereits am 19.April ein Schwarm raus. Der Nachbar hat noch ein Foto gemacht.
    LG

  4. Dorothea Axtmann | 5. Mai 2019 um 21:27 | Antworten

    Perfekt sind diese Beiträge!
    Für Anfänger bestens nachvollziehbar und für den Erfahrenen nochmal alles Wichtige zusammengefaßt. Macht richtig auch Spaß, sich Pias‘ Video anzusehen! Vielen Dank!

  5. Andreas Schulenburg | 5. Mai 2019 um 16:45 | Antworten

    Hallo Dr. Liebig. Danke für ihren Beitrag. Sie erwähnen darin Läuse. Davon habe ich in der Imkerei noch nichts gehört. Meinen sie Varroa oder wirklich Läuse? Vielen Dank für die Aufklärung und viele Grüße!

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