August

„Lieber weniger Völker einwintern und alle auswintern als alle einwintern und weniger auswintern!“

Im August und September steht die Spätsommerpflege der Bienenvölker an. Mit ihr wird der Grundstein für den imkerlichen Erfolg im kommenden Jahr gelegt! Dieser ist gesichert, wenn die Bienenvölker bei ihrer Einwinterung (im Oktober) stark und gesund sind. Dann wintern sie auch stark aus, entwickeln sich im Frühjahr sehr zügig, tragen viel Pollen und Nektar ein (und wollen wahrscheinlich auch bald schwärmen).

Deshalb heißt der oberste Grundsatz der Spätsommerpflege: nur starke Völker weiter führen. Schwache Völker auflösen, bevor man unnötig Futter und Aufwand investiert. Lieber weniger Völker einwintern und alle auswintern als alle einwintern und weniger auswintern.

Altvölker und Jungvölker entwickeln sich im Spätsommer unterschiedlich. Während die Jungvölker im August/September noch wachsen (können), schrumpfen die Altvölker seit Juli und werden bis zum Herbst ständig schwächer. Deshalb werden die Jungvölker anders geführt als die Altvölker.

Jungvölker, die aus der „Völkervermehrung in vier Schritten“ hervorgegangen sind, erreichen erst im August ihr Brutmaximum, dem drei Wochen das Bienenmaximum folgt. Sie werden von mir grundsätzlich auf einer Zarge (10 Zanderwaben) eingewintert und erhalten deshalb nur zwei Futtergaben von jeweils 10 Liter Zuckerwasser (3:2), die erste gegen Ende August und die zweite um Mitte September. In der Regel werden sie nur einmal, nach der Auffütterung, mit Ameisensäure behandelt.

Altvölker werden Mitte August auf zwei Zargen eingeengt. Dabei wird die untere Brutraumzarge (= der älteste Wabenbau) entfernt. Vor dem Einengen wird die Stärke des Altvolkes beurteilt. Wenn die untere Brutraumzarge nicht ausreichend mit Bienen besetzt ist, wird das Volk aufgelöst. Seine Bienen werden dem zuvor bearbeiteten (=eingeengten) Nachbarvolk vors Flugloch geschlagen, seine Brutwaben bienenfrei in einer Zarge gesammelt und dem nächsten Volk, das dann auf eine Zarge eingeengt wird, aufgesetzt.

Die dunklen Altwaben werden dem Wachsschmelzer zugeführt. Jedes Altvolk sitzt nach dem Einengungsschritt auf zwei Zargen und erhält eine Leerzarge aufgesetzt, die bei der Auffütterung als Futterzarge dient. Davor und danach wird Medizinflasche zur Behandlung der Völker mit Ameisensäure eingestellt (siehe auch Poster „Spätsommerpflege“).

Die Ameisensäurebehandlung mit der Medizinflasche

Die Vorteile der Medizinflasche:

  • Ihre Handhabung ist gefahrlos für den Anwender; denn am Bienenstand muß nicht mit offener Säure hantiert werden.
  • Die Methode ist sehr gut bienenverträglich. Die Ameisensäure verdunstet nicht schlagartig, die Bienen geraten nicht in Panik, keine Königinnenverluste!
  • Anwendung von 85%iger Ameisensäure auch bei sehr warmer Witterung möglich.
  • Zwei Behandlungen reichen in der Regel aus, die erste vor und die zweite nach der Auffütterung.
  • Die Behandlung kann jederzeit abgebrochen werden, ohne dass die Restmenge in der Flasche verloren geht. Medizinflasche abheben und mit dem Schraubverschluss fest verschließen.
  • Die Verdunstungsleistung (und damit die Wirkung) kann ohne viel Aufwand beurteilt werden.

Die Medizinflasche wird ausschließlich von oben eingesetzt und benötigt eine Leerzarge oder einen umgedrehten Futtertrog als Verdunstungsraum. Wenn die Leerzarge während der Auffütterung genutzt wird, um den Futtereimer auf das Volk zu stellen, läßt sich die Behandlung mit der Medizinflasche mühelos in die Spätsommerpflege integrieren.

Die Medizinflasche kann variabel eingesetzt werden, entweder als Kurzzeitbehandlung in Form von TV kurz (LD kurz) oder MoT oder als Langzeitbehandlung in Form von TV lang (LD lang).

Mit diesen Varianten (vgl. Tabelle) kann auf die Anwendungsbedingungen (Jahreszeit, Befallsgrad, Stärke und Zustand des Bienenvolkes [1- oder 2-Zargen-Volk, Umfang und Lage des Brutnestes], Außentemperatur) reagiert werden, so dass die Vorteile der Medizinflasche voll genutzt und ihre Nachteile (Abhängigkeit von der Temperatur, Brutunverträglichkeit) verringert werden können.

Die klassische ursprüngliche Anwendungsform der Medizinflasche ist der Tellerverdunster (TV). Aus ihr wurde die MoT-Variante entwickelt, die einen ausreichenden Behandlungserfolg bei kühlen Temperaturen von 12°-15° Grad gewährleistet, bei denen der Tellerverdunster versagt. Die MoT-Variante kann aber auch bei hohen Temperaturen gefahrlos eingesetzt werden. Der Liebig-Dispenser (LD) ist von seiner Konstruktion her die Kombination von TV und MoT und schließt die häufigsten Fehlerquellen des Tellerverdunsters aus (zu dicke oder schlecht aufgelegte Dochte und saugfähige Flaschenhalter). Zum Dispenser-Set gehört eine 250 ml Flasche aus Plastik mit aufgeklebter Skala und einem Schraubverschluss mit Kindersicherung.

Bei der TV-Behandlung wird als Docht ein zweimal gefaltetes Küchentuch verwendet, das in einen Blumentopfuntersetzer eingelegt wird. Ein zufriedenstellender Behandlungserfolg von über 90% ist zu erwarten, wenn bei 2-Zargen-Völkern täglich etwa 20 g und bei 1-Zargen-Völkern täglich etwa 8 g Ameisensäure verdunsten. Am ersten Tag der Behandlung können es erheblich mehr sein, je nachdem wie saugfähig der Docht ist. Es widerspricht der Zielsetzung der Methode, wenn besonders dicke Dochte verwendet werden, die im Extremfall den gesamten Inhalt der Medizinflasche aufsaugen können. Deshalb ist es besser, dünne Dochte zum Beispiel aus Küchenpapier zu verwenden. Eine weitere Fehlerquelle liegt in der Festigkeit des Dochtes und seinen Abmessungen in der Fläche. Das Küchentuch wird so gefaltet, daß es mit seinen Spitzen an den Ecken den Blumentopfuntersetzer etwas überragt. Wenn der Docht sich mit Ameisensäure gesättigt hat und feucht ist, dürfen diese Spitzen nicht abknicken.

 Als Material für die TV-Behandlung wird benötigt:

  •  1 Medizinflasche 150 ml, 200 ml oder 250 ml unter der Bezeichnung Aponorm-Medizin-Flasche Artikel Nr. 32323, 32324 bzw. 32325 mit Schraubverschluss und
  • 1 Tropfeinsatz Artikel-Nr. 32334,
  • 1 Holzklotz etwa 6 x 6 x 2 cm mit einer Bohrung, die einen etwas größeren Durchmesser wie der Hals der Medizinflasche (3 cm) hat,
  • 1 Blumentopfuntersetzer mit einem Durchmesser von 12 oder 14 cm als Dochthalter,
  • Dochtmaterial (Küchentuch),
  • Ameisensäure 85%,
  • 1 Leerzarge.

Zur TV-Behandlung wird das Volk geöffnet und ihm eine Leerzarge aufgesetzt. Wenn es vorher mit dem in eine Leerzarge eingestellten Futtereimer gefüttert wurde, ist lediglich notwendig, die Folie, auf der der Futtereimer stand, zu entfernen. Gitterboden verschließen (Windel einschieben)!

Der Blumentopfuntersetzer mit dem eingelegtem Küchentuch oder der Weichfaserplatte wird auf den Wabenbau gelegt, die mit Ameisensäure gefüllte Medizinflasche aufgeschraubt, der Holzklotz auf den Docht gelegt und die Medizinflasche kopfüber in die Bohrung des Holzklotzes auf den Docht gestülpt. Die Flasche muss auf dem Docht aufsitzen! Der Holzklotz sorgt dafür, dass die Flasche nicht umfällt. Der Schraubverschluss findet auf dem Flaschenboden Platz. Danach wird die Zarge mit Folie, Innendeckel und Blechhaube verschlossen.

Es dauert eine Weile, bis der Docht sich mit Ameisensäure vollgesogen, und einige Stunden, bis sich die Ameisensäure in der Stockluft angereichert hat. Die Bienen haben Zeit, sich an die Ameisensäure zu gewöhnen. Sie bleiben ruhig und geraten nicht in Panik. Als einzige Reaktion ist zu beobachten, dass sie etwas Abstand vom Docht halten, sobald dieser mit Ameisensäure getränkt ist.

Anfangs tropft die Ameisensäure kontinuierlich aus der Flasche und breitet sich im Docht langsam aus. Wenn der Docht mit Ameisensäure gesättigt ist, stoppt der Nachfluß. Es fließt aus der Flasche nur so viel Ameisensäure nach wie über den Docht ins Bienenvolk verdunstet.

Der Wirkungsgrad ist von der Verdunstungsleistung abhängig und diese von der Beschaffenheit und Größe des Dochtes, von der Konzentration der Ameisensäure, von der Stärke des Bienenvolkes und von der Außentemperatur.

Wenn die Brut nicht ausreichend Abstand zum Docht hat, können während der Behandlung Brutschäden auftreten. Besonders gefährdet sind die schlüpfenden Jungbienen, wenn sie beim Schlupf ungeschützt der Ameisensäure ausgesetzt sind.

Bei 1-Zargen-Völkern wird ein Behandlungserfolg von über 90% erzielt, wenn mindestens 8 g/Tag verdunsten. Diese Verdunstungsleistung wird mit einem Untersetzer von 12 cm Durchmesser erreicht, in den ein zweimal, auf 14×14 cm gefaltetes Küchentuch gelegt wird.

Bei 2-Zargen-Völkern ist für einen zufriedenstellenden Behandlungserfolg von über 90% eine tägliche Verdunstung von 20 g notwendig. Um diese Verdunstungsleistung zu erreichen wird ein Untersetzer mit 14 cm Durchmesser und entsprechend großem Docht benötigt.

In stärkeren Völkern verdunstet die AS in der Regel langsamer als in schwächeren Völkern, bei hohen Temperaturen rascher als bei niedrigen Temperaturen, an feuchten Standorten (im und am Wald) schlechter als bei Aufstellung der Völker in freiem Gelände.

Die Methode ist sehr anwenderfreundlich. Sie erlaubt einen nahezu gefahrlosen Umgang mit hochkonzentrierter Ameisensäure. Die Verdunstungsgeschwindigkeit kann auf einfache Weise kontrolliert werden: Flasche abheben und mit Zollstock Füllstand überprüfen. Es kann auch eine selbstgemachte Skala auf die Flasche geklebt werden, so dass das Umrechnen des Füllstandes vor Ort von Millimeter in Milliliter oder Gramm entfällt.

Die Behandlung kann jederzeit unterbrochen werden: Flasche herausnehmen und mit Schraubverschluss verschließen. Restmengen gehen nicht verloren und werden in der verschlossenen Flasche im Medizinschrank bis zur Wiederverwendung aufbewahrt.

Wenn die Medizinflasche leer ist Utensilien entnehmen (bei noch feuchtem Docht Handschuhe anziehen!).

Vorgehensweise bei der TV- oder LD-Behandlung:

  • Das Flugloch bleibt wie es ist oder es wird eingeengt.
  • Windel einschieben.
  • Deckel und Folie entfernen, Leerzarge aufsetzen.
  • Teller mit eingelegtem Docht auf das Volk legen.
  • Holzklotz (Flaschenhalter) auf Docht setzen.
  • Medizinflasche (gefüllt mit 50-200 ml 85%iger Ameisensäure) aufschrauben, auf den Docht stülpen, Schraubverschluß auf Flaschenboden oder Rähmchenoberträger legen.
  • Leerzarge mit Folie und Deckel verschließen.

Bei Verwendung des LD ist kein Holzklotz notwendig. Die quadratische Kunststoffplatte hat einen zentralen Teller, ihr äußerer Bereich ist gegenüber dem Teller etwas erhöht und durchbrochen, so daß die Ameisensäure aus dem aufliegenden Docht nach oben und nach unten verdunsten kann. In der Mitte des Tellers befinden sich drei feste Dorne, auf die die Flasche gestülpt wird. Als Docht dient ein dünnes perforiertes Löschpapier. Zur Behandlung von 2-Zargen-Völkern bei Temperaturen bis zu 25° wird es in seiner vollen Größe von 15 cm x 15 cm benutzt. Bei höheren Temperaturen, bei 1-Zargen-Völkern, bei Hinterbehandlungs- und Trogbeuten, bei Beuten im Warmbau kann der Docht ohne viel Aufwand passend verkleinert werden.

Die MoT-Variante ist eher eine Behandlung für den Vormittag oder frühen Morgen als für den Nachmittag oder Abend. Wenn mit der MoT-Behandlung am Abend begonnen wird und die Nacht sehr kühl ist, saugt sich zwar der Docht mit Ameisensäure voll, diese verdunstet nicht oder sehr langsam, zieht während der kühlen Nacht Wasser an und verdünnt sich. Wenn dabei ihre Konzentration unter 60% sinkt ist sie am nächsten Tag nicht mehr wirksam, auch wenn es sehr warm wird. Deshalb ist es an Tagen mit kühlen Nächten besser mit der Behandlung am frühen Vormittag zu beginnen, damit die Ameisensäure, sobald sie aus der Medizinflasche in den Docht getropft ist, „in den warmen Tag hinein“ ins Volk verdunsten kann.

Vorgehensweise bei der MoT-Behandlung

  • Das Flugloch bleibt wie es ist oder es wird eingeengt.
  • Windel einschieben.
  • Deckel und Folie entfernen, Leerzarge aufsetzen.
  • Teller mit eingelegtem Docht auf das Volk legen.
  • Holzklotz (Flaschenhalter) auf Docht setzen.
  • Medizinflasche (gefüllt mit 50-200 ml 85%iger Ameisensäure) aufschrauben, auf den Docht stülpen, Schraubverschluß auf Flaschenboden oder Rähmchenoberträger legen.
  • Leerzarge mit Folie und Deckel verschließen.

Nach 3-4 Stunden ist die Medizinflasche leer, nach 24 Stunden der Docht trocken oder fast trocken; Utensilien entnehmen (bei noch feuchtem Docht Handschuhe anziehen!).