Der Autor

Ende 2011 ging Dr. Gerhard Liebig in den Ruhestand. Er war 37 Jahre lang an der Landesanstalt für Bienenkunde in Stuttgart-Hohenheim angestellt und hat dort in Langzeitprojekten die Populationsdynamik von bienenwirtschaftlich wichtigen Honigtauerzeugern auf Fichte und Tanne sowie die Entwicklung von Bienenvölkern und ihres Varroabefalls untersucht:

Ich habe von 1970 bis 1975 an der Universität Hohenheim in Stuttgart Agrarbiologie studiert. Am Institut für Phytomedizin habe ich mich in meiner Diplomarbeit und Doktorarbeit mit Blattläusen beschäftigt. Über diese Blattläuse bin ich zu den Bienen gekommen, denn es gibt auch bienenwirtschaftlich wichtige Läuse auf Waldbäumen wie Fichte und Tanne. Nur wenn diese an der Rinde saugenden Blattläuse in Massen auftreten und dann viel Honigtau produzieren, gibt es Wald- und Tannenhonig. Dieser ist besonders begehrt. Ich erhielt einen Forschungsauftrag, die Populationsdynamik dieser Insekten zu untersuchen. Das habe ich dann 37 Jahre lang gemacht und in den 1980er Jahren auch den Hype um das „Waldsterben“ vor Ort miterlebt. „Nebenbei“ habe ich mich mit der Honigbiene und ihrer Haltung beschäftigt. Daraus ist dann eine weitere Langzeitstudie entstanden, in der ich 22 Jahre lang untersucht habe, wie sich Bienenvölker entwickeln und welchen Einfluss die Umwelt auf die Volksentwicklung hat. Dabei bin ich selbst zum Bienenhalter geworden.

Foto: bendbienen.de

Mit dem regelmässigen „Zählen“ von Milben begann er 1982, unmittelbar nach dem Auftauchen der Varroamilbe in Hohenheim. Am Anfang galt sein Interesse nur der Befallsentwicklung im Bienenvolk. Ihre Kenntnis ist die Grundlage für die Entwicklung von Bekämpfungskonzepten, aber auch zur Beurteilung von Varroatoleranz und -resistenz. Diese Untersuchungen, in denen die Ursachen des natürlichen Milben(ab)falls aufgespürt und die Eignung der Gemülldiagnose für die Überwachung des Varroabefalls erkannt wurden, machten bald deutlich, dass das Verständnis der Befallsentwicklung im Bienenvolk die genaue Beobachtung der Volksentwicklung mit regelmässigen Populationsschätzungen nach der „Liebefelder Methode“ voraussetzt. Liebig erlernte diese Methode bei den Liebefelder „Altmeistern“ Luzio Gerig und Anton Imdorf, mit denen er jahrelang in Kontakt stand und Erfahrungsaustausch pflegte.

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