Juli

„Was früh anfängt, geht früh zu Ende“

In Baden-Württemberg hat der Wald 2003 weit verbreitet sehr gut gehonigt. Die höchsten Zunahmen kamen von der Fichte, die zwischen Ende Mai und Mitte Juni honigte. Vielerorts lagen die Zunahmen aus der Fichtentracht höher als über 50 kg pro Volk. Ihr folgte die Tannentracht, die allerdings längst nicht so verbreitet auftrat wie die Fichtentracht, deutlich weniger ergiebig war und meist bereits Anfang Juli zu Ende ging.

Das frühe Auftreten der Waldtracht und ihre Ergiebigkeit hatte sich bereits im Frühjahr abgezeichnet. Für den, der die Entwicklung der Lachniden beobachtet hatte, kam das Einsetzen der Honigtautracht unmittelbar nach den Eisheiligen nicht überraschend, auch nicht ihr relativ frühes Ende. Auch das rechtzeitige Erkennen von regionalen Unterschieden war und ist kein Hexenwerk, sondern das Ergebnis von schlichter Beobachtung und ständigem Austausch von Informationen, wie es die Lausbeobachter in Baden-Württemberg auch 2003 mit Erfolg praktiziert haben.

Wer beobachtet lässt sich nicht überraschen! Das gilt auch für die Varroamilbe und für die bevorstehende Spätsommerpflege der Bienenvölker.

Die Entwicklung der Völker

Die intensive Nutzung der Honigtautracht von Fichte und Tanne hat zu einem starken Verhonigen der Brutnester der Völker geführt. Zum Beispiel hatten die 12 Völker an einem 800 m hoch gelegenen Standort im Mittleren Schwarzwald am 8. Juli im Durchschnitt 30.000 Bienen und nur noch 4.400 Brutzellen, von denen die meisten verdeckelt waren. In Jahren ohne Honigtautracht umfasst das Brutnest vergleichbar starker Völker Anfang Juli meist noch mehr als 30.000 Brutzellen.

Varroabefall im Jahresablauf

Diesem Brutknick wird noch im Juli ein Bienenknick folgen, von dem sich die meisten der in der Honigtautracht eingesetzten Wirtschaftsvölker nicht erholen werden. Wer auf eine Erholung spekuliert, kann im Frühjahr (wieder) vor leeren Kästen stehen! Besser ist es, die geschwächten Wirtschaftsvölker aufzulösen, und zwar frühzeitig, bevor in ihre „Spätsommerpflege“ investiert wird! Lieber weniger Völker einwintern und alle auswintern als alle einwintern und weniger auswintern! Dieser Satz gilt auch für die Jungvölker, die im Mai bei der „Völkervermehrung in vier Schritten“ entstanden sind und erst im August den Höhepunkt ihrer Brutentwicklung erreichen.

Völkerführung

Das frühe Ende der Honigtautracht lässt Zeit genug, um vor dem Beginn der Spätsommerpflege auch den im Brutraum eingelagerten Honigtauhonig (in vielen Völkern sind es fast 20 kg oder mehr!) zu ernten. Das ist in Beutensystemen mit zweigeteiltem Brutraum einfach zu erreichen. Die Königin wird mit Absperrgitter in den unteren Brutraum gesperrt. Sobald die Brut im oberen Brutraum ausgelaufen ist, werden die vormals bebrüteten Honigwaben entnommen. Nur sehr starke Völker bleiben auf zwei Räumen sitzen und erhalten deshalb 10 leere Waben zurück. Schwächere werden aufgelöst und dienen zur Verstärkung der stärkeren Völker. Zuvor werden sie auf einen Raum eingeengt und mit Ameisensäure behandelt. Einzelheiten darüber folgen im August!

An Standorten ohne Tannentracht werden die Völker bis zum Beginn der Spätsommerpflege im August auf 3 Zargen geführt. Sie müssen vor der Auffütterung immer über genügend Futtervorräte verfügen. Wenn von draußen nichts herein kommt, muss gefüttert werden. Das gilt auch für die Jungvölker. Ohne ausreichende Futterversorgung wird aus ihnen nichts Gescheites. Ob sie festes oder flüssiges Futter erhalten ist egal.


Varroabefall überwachen

Vor der ersten Behandlung sollte eine Gemülldiagnose durchgeführt werden. Die schlechten Erfahrungen im Herbst des Vorjahres verleiten leider viele Imker dazu, ins andere Extrem zu fallen. Im Vorjahr wurde häufig viel zu spät behandelt. Dieses Jahr werden wahrscheinlich andere Fehler gemacht. Es gibt auch ein „zu früh“ und ein „zu oft“. Das A+A+O-Konzept kommt bei den Wirtschaftsvölkern in der Regel mit drei Behandlungen aus:

Die erste Behandlung mit Ameisensäure wird vor der Auffütterung im August durchgeführt, die zweite Behandlung mit Ameisensäure nach der Auffütterung im September und die dritte, wenn notwendig, im Herbst, mit Oxalsäure, sobald die Völker brutfrei sind. Bei Jungvölkern genügt in der Regel eine Behandlung mit Ameisensäure im September nach der Auffütterung.

Doch bevor behandelt wird, sollte zur Abschätzung des Befallsgrades der natürliche Milbenfall erfasst werden. Das werde ich bei meinen Völkern auch tun und die Ergebnisse Anfang August an dieser Stelle bekanntgeben.

1 Kommentar zu "Juli"

  1. Gerlinde Neurohr | 28. Juli 2017 um 08:12 | Antworten

    Den obigen Artikel finde ich sehr interessant. Irritiert bin ich aber von der Werbung zu Insektenvernichtern aller Art, Wespenfallen…Und das auf der Seite eines engagierten Imkers. Wie geht das zusammen?

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