Juli

Im Juli steht nach der Lindenblüte die Ernte des Sommerhonigs an, bei der genauso vorgegangen wird wie bei der Ernte des Frühjahrshonigs im Juni.

Nach der Sommersonnenwende werden die Tage kürzer. Die Bienenvölker, ob Jung oder Alt, reagieren einheitlich mit dem Schrumpfen des Brutnestes, die stärkeren Altvölker etwas früher als die schwächeren Jungvölker. Von Ende Juli bis Mitte September drosselt die Königin eines Altvolkes ihre durchschnittliche Tageslegeleistung von vorher über 1500 Eiern auf weniger als 500.

Wie bekommt die Königin im Stockdunkeln mit, dass die Tage kürzer werden? Woher weiß sie, dass der Winter „demnächst“ Einzug hält? Wahrscheinlich ist es eine Entscheidung, die vom Volk als Ganzes getroffen und umgesetzt wird. Bedenkenswert ist, dass keine der Arbeiterinnen im Volk, die an diesen Vorbereitungen beteiligt sind, „Winter“ erlebt hat und auch keine von ihnen „Winter“ erleben wird.

Winterbienen kommen erst im Herbst zur Welt. Ihre Entstehung gleicht der der Schwarmbienen. Frisch geschlüpfte Bienen sind hungrig. Sie fressen sich mit Bienenbrot und Honig voll, produzieren Futtersaft, werden ihn aber nicht los; denn wie im Mai stößt viel Pflegepotenzial auf wenig Pflegebedarf. Der Futtersaft wird als Fetteiweißpolster im Hinterleib deponiert. Fertig ist die Winterbiene.

Wenn eine Biene keine Larven füttert, lebt sie länger, allerdings nur, wenn sie gesund zur Welt kommt und im Puppenstadium von einem Varroabefall verschont geblieben ist. Deshalb darf der Varroabefall der Völker während der Aufzucht der Winterbienen (= im Herbst) die Schadensschwelle nicht überschreiten.

Der Varroabefall kann anhand des natürlichen Milbenfalls über „Gemülldiagnosen“ beurteilt werden. Das Gemüll von 3-5 Tagen wird mit einer in den Gitterboden eingeschobenen Windel (weiß und mit Rand) aufgefangen und mit Hilfe einer Kopflupe abgesucht. Die Anzahl der gefundenen Milben dividiert durch die Einlegedauer in Tagen = „Anzahl Milben/Tag“.

Varroabefall im Jahresablauf

Der natürliche  Milbenfall entsteht hauptsächlich beim Schlupf befallener Brut. Im Herbst liegt die Schadensschwelle mit „10 Milben/Tag“ deutlich niedriger als im Sommer. Im Sommer sollte er „100 Milben/Tag“ nicht überschreiten. Dann wären etwa 10 Tausend Milben im Volk.

Die wesentlich niedrigere Varroatoleranz der Völker im Herbst macht deutlich, worauf bei den notwendigen Behandlungen im Spätsommer zu achten ist: Es kommt es nicht darauf an, wie viele Milben fallen, sondern wie viele Milben im Volk verbleiben und sich dort weiter vermehren.  Aus „5 Milben/Tag“ Ende August können „20 Milben/Tag“ im November werden und die Schadensschwelle im Herbst wäre deutlich überschritten.

Meine Varroabehandlungen sind in die Spätsommer- und Herbstpflege integriert. Bei den Altvölkern stehen zwei bewährte Konzepte zur Auswahl. Mit dem einem Konzept, „Teilen und behandeln“, beginnt man Ende Juli unmittelbar nach der Sommerhonigernte. Das andere Konzept, die „Spätsommerpflege in vier Schritten“, startet erst gegen Ende August.

Das Teilen und behandeln folgt einem genauen Terminplan. Für jedes Volk werden ein zweiter Gitterboden und eine zweite Abdeckung (Folie, Innendeckel, Blechhaube) benötigt.

Am Tag x wird das Volk in einen weiselrichtigen Flugling und ein weiselloses „Brutvolk“ geteilt. Am Tag x+1 sollte Flugwetter herrschen.

Der Flugling wird am Tag x+2 behandelt, am Tag x+21 das dann brutfreie und eingeengte „Brutvolk“. Wenig später macht seine Nachschaffungskönigin ihren Hochzeitsflug.  Nach der Auffütterung werden die beiden Volksteile im Oktober durch einfaches Aufeinandersetzen wiedervereinigt. Sie können auch getrennt überwintert werden. Das wird im Oktober entschieden.

Bei der Teilung wird das Volk zuerst zerlegt. Der Honigraum wird abgehoben und zur Seite gestellt. Die obere Brutraumzarge wird auf einer umgedrehten Blechhaube „geparkt“, die untere Brutraumzarge auf einen neuen Gitterboden gesetzt. Der Honigraum, der mindestens eine Futterwabe enthält, findet auf dem alten Gitterboden Platz. Dort entsteht der Flugling.

Dann wird nach der Königin gesucht. In der Regel befindet sie sich in der oberen Brutraumzarge. Sie kommt mit ein paar Begleitbienen in einen mit Futterteig verschlossenen Käfig. Der Käfig wird auf eine besetzte Wabengasse des Honigraumes gelegt. Anschließend wird das „Brutvolk“ wieder zusammengesetzt und zum Abfliegen auf den Flugling gestellt. Sein eingeengtes Flugloch zeigt in die gleiche Richtung wie das des Fluglings.

Etwa zwei Drittel der Bienen des geteilten Volkes landen im Flugling, in dem es 1-2 Tage dauert, bis die aus ihrem Käfig frei gefressene Königin auf den hellen Waben des ursprünglichen Honigraumes mit der Eiablage beginnt. Zwei Tage nach der Teilung kann der Flugling mit Oxalsäure gegen die Varroamilbe behandelt werden. Das Beträufeln wirkt (im Sommer) deutlich schlechter als das Besprühen. Deshalb bevorzuge ich die Sprühbehandlung oder kombiniere beides. Zuerst wird die im Gitterboden hängende Bienentraube nach dem Ankippen der Zarge von unten sachte mit Oxalsäure eingesprüht, bis sich die Traubenbienen in die Wabengassen zurückgezogen haben und dort enger sitzen als zuvor. Danach wird dieselbe Lösung mit einer Spritze von oben in die Wabengassen gespritzt. Für einen dünnen Strahl sorgt eine aufgesetzte Pipettenspitze. Die gut besetzten Wabengassen, unter denen die Traube hing, werden zweimal abgefahren. Insgesamt werden etwa 100 ml Lösung verbraucht.

Das „Brutvolk“ wird am Tag x+2 neben seinen Flugling gestellt, wenn dort Platz ist. Wenn nicht bleibt das „Brutvolk“ bis zur Wiedervereinigung auf dem Flugling stehen und wird jedes Mal, wenn  Behandlung und Fütterung des Fluglings anstehen, vorher abgehoben und nachher wiederaufgesetzt.
Zum „Teilen und behandeln“ gehört auch die Gemülldiagnose vor und nach einer Behandlung.

Über das Flugloch geschaut

Das Pollensammeln an den Maisfahnen (links) verlangt eine andere Technik als das Pollensammeln in Spargelblüten (rechts).

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1 Kommentar zu "Juli"

  1. Gerlinde Neurohr | 28. Juli 2017 um 08:12 | Antworten

    Den obigen Artikel finde ich sehr interessant. Irritiert bin ich aber von der Werbung zu Insektenvernichtern aller Art, Wespenfallen…Und das auf der Seite eines engagierten Imkers. Wie geht das zusammen?

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