Was eine EU-Studie über gute Imkerei zeigt – und was wir längst wissen
Gute Imkerei ist kein Geheimwissen. Wer seit einigen Jahren imkert, weiß: Der Erfolg eines Bienenvolks entscheidet sich nicht an neuen Schlagworten, sondern an konsequenter Betriebsweise. Genau das bestätigt nun auch ein großes EU-Projekt.
Im Rahmen des Horizon-Europe-Vorhabens B-THENET („Best Practices and Innovations for a Sustainable Beekeeping“) wurden europaweit Imkerinnen und Imker befragt, welche Maßnahmen sie als besonders wichtig für eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Imkerei ansehen. Die Ergebnisse wurden kürzlich in einer Fachzeitschrift veröffentlicht.[1]
Was dabei auffällt: Vieles von dem, was heute als „best practice“ bezeichnet wird, ist in der deutschen Imkerei seit Jahrzehnten bekannt und gelebte Praxis – etwa über etablierte Betriebsweisen, Lehr- und Beratungsangebote sowie die verbreiteten Monatsbetrachtungen.[4]
Was ist B-THENET?
B-THENET ist kein klassisches Forschungsprojekt mit Experimenten oder Feldversuchen. Es handelt sich um ein sogenanntes Thematic Network, also ein Koordinations- und Austauschprojekt. Ziel ist es, bewährte Praktiken und praxistaugliche Forschungsergebnisse zu sammeln, zu strukturieren und so aufzubereiten, dass sie in der imkerlichen Praxis nutzbar werden – unterstützt durch digitale Formate und Übersetzungen.[2][3]
Der Anspruch des Projekts ist hoch: Nur wirksame, praxiserprobte und sofort anwendbare Maßnahmen sollen weitergegeben werden – angepasst an Region, Klima, Betriebsgröße und imkerliche Traditionen. Gleichzeitig soll der Wissenstransfer über Plattformen, nationale Zentren und Veranstaltungen breit in die Praxis getragen werden.[2]
Die zentralen Ergebnisse – wenig überraschend
In der europaweiten Umfrage wurden verschiedene Maßnahmenpakete priorisiert. Besonders hoch bewertet wurden (in der Darstellung der Autor:innen als „Practice containers“) vor allem Varroa-Management, Betriebsweise und Biosecurity-Maßnahmen.[1]
Varroa-Management
- rechtzeitige und wirksame Behandlung,
- Kontrolle des Behandlungserfolgs,
- einheitliches Vorgehen im Bestand,
- Nutzung bewährter Wirkstoffe im Rahmen eines integrierten Konzepts.
Dass die Varroamilbe der entscheidende limitierende Faktor für die Bienengesundheit ist, überrascht nicht. Diese Erkenntnis prägt die imkerliche Ausbildung im deutschsprachigen Raum seit Jahrzehnten – und wird in Deutschland besonders konsequent über praxisnahe Jahresfahrpläne und fortlaufende Beratung vermittelt.[4]
Gute Betriebsweise
- Wabenhygiene,
- Vermeidung von Räuberei und Drift,
- Bildung von Ablegern nur aus gesunden Völkern,
- strukturierte Spätsommer- und Wintervorbereitung.
Auch hier gilt: Wer nach etablierten Lehrkonzepten arbeitet, findet wenig Neues – die Themen sind im Kern seit Langem bekannt, werden aber durch das EU-Projekt europaweit in einheitliche Kategorien übersetzt.[1]
Biosecurity – ein moderner Begriff für bekannte Prinzipien
Neu ist weniger der Inhalt als die Begrifflichkeit. Maßnahmen wie Quarantäne für zugekaufte Völker, sauberes Arbeitsmaterial oder die Trennung von Arbeitsabläufen gehören seit Langem zur guten imkerlichen Praxis – werden nun aber stärker systematisiert und als eigene Maßnahmenpakete beschrieben.[1]
Was deutsche Imker daran wiedererkennen
Viele der in den B-THENET-Ergebnissen genannten Punkte decken sich nahezu vollständig mit dem, was in Deutschland seit Jahren gelehrt wird – etwa in den Monatsbetrachtungen, an Lehrbienenständen oder in klassischen Betriebsweisen. Gerade die Betonung der Spätsommerpflege als Schlüsselphase für starke Wintervölker und die Konsequenz im Varroa-Management sind zentrale Leitmotive der deutschsprachigen Praxisliteratur.[4][5]
In diesem Sinne bestätigt das EU-Projekt vor allem eines:
Gute Imkerei folgt universellen biologischen Regeln – unabhängig davon, ob man sie „Betriebsweise“ oder „best practice“ nennt.
Wo der eigentliche Mehrwert des Projekts liegen kann
Der größte potenzielle Nutzen von B-THENET liegt weniger im Was als im Wie: in der mehrsprachigen, visuellen, niedrigschwelligen Aufbereitung und im europaweiten Transfer in Regionen, in denen Beratungs- und Ausbildungssysteme weniger dicht sind.[2][3]
- Inhalte werden in mehreren EU-Sprachen aufbereitet,
- stark visuell und praxisnah vermittelt,
- und über Netzwerke/Zentren sowie Veranstaltungen verbreitet.
Für diese Regionen kann ein europaweit koordiniertes Wissensnetzwerk tatsächlich einen Unterschied machen: Nicht, weil Varroa „neu“ wäre, sondern weil gute Praxis dort möglicherweise seltener systematisch vermittelt wird.
Und die Kosten?
Mit rund 3,2 Millionen Euro EU-Fördermitteln ist B-THENET ein großes Vorhaben. Ob dieses Geld gut investiert ist, lässt sich nicht allein an der Liste der Praktiken beurteilen. Entscheidend wird sein,[2]
- ob die Plattformen langfristig genutzt werden,
- ob die Inhalte tatsächlich in der Praxis ankommen,
- und ob sich daraus messbar bessere imkerliche Entscheidungen ergeben.
Denn Wissen allein verändert noch nichts – erst seine konsequente Anwendung im Bienenstand macht den Unterschied.
Fazit
B-THENET zeigt eindrucksvoll: Gute imkerliche Praxis ist bekannt, beschrieben und vielfach erprobt. Für erfahrene Imkerinnen und Imker bringt das Projekt wenig neue Erkenntnisse, wohl aber eine Bestätigung des eigenen Handelns.[1]
Der eigentliche Prüfstein für den Erfolg des Projekts wird nicht die Umfrage sein, sondern die Frage, ob es gelingt, bewährtes Wissen dort wirksam zu verankern, wo es bislang fehlt.[2]
Oder anders gesagt:
Innovation in der Imkerei beginnt oft nicht mit neuen Ideen, sondern mit der konsequenten Umsetzung dessen, was wir längst wissen.
Einzelnachweise
-
Manara, V., Zacepins, A., & Brodschneider, R., et al. (2025).
First attempt to identify and prioritise best beekeeping practices with a multi-actor approach in the EU.
Journal of Apicultural Research.
DOI: 10.1080/00218839.2025.2576979. ↩ - European Commission – CORDIS (Projektseite).
B-THENET – BEST PRACTICES AND INNOVATIONS FOR A SUSTAINABLE BEEKEEPING (Grant Agreement ID: 101059812; u. a. Gesamtbudget / EU-Beitrag).
CORDIS-Projektseite. ↩ - B-THENET Thematic Network (Projekplattform).
https://www.bthenet.eu/platform/. ↩ - Liebig, G. (laufend).
Monatsbetrachtungen (Download-Sammlung).
Download auf Immelieb. ↩ - Hohenheim aktuell (Download).
Download auf Immelieb. ↩
