Winterbehandlung 2025: Wann die Völker wirklich bereit für die Restentmilbung sind
Die Lage in Kürze: Herbst 2025 war alles – nur kein klarer Winterstart
Vom „goldenen Oktober“ war 2025 wenig zu spüren. Laut Deutschem Wetterdienst war der Oktober trüb, vielerorts zu nass und nur leicht zu warm. Richtigen Dauerfrost gab es kaum, dafür wechselnde Abschnitte mit kühlen und milderen Tagen.
Auch die aktuelle 10-Tage-Vorhersage des DWD für Ende November / Anfang Dezember meldet: „Leicht unbeständig, meist mild, nur im Südosten kälter und mit Glättegefahr.“ Wer es im Detail nachlesen will, findet die Prognose auf den Seiten des Deutschen Wetterdienstes (DWD).
Für die Winterbehandlung mit Oxalsäure heißt das: Der Kalender ruft zwar nach „Restentmilbung“, die Völker aber reagieren auf Temperatur – nicht auf feste Stichtage. Der richtige Zeitpunkt hängt 2025 stärker denn je von Brutfreiheit und einem passenden Wetterfenster am eigenen Stand ab.
Populationsschätzungen im November: Noch nicht alle Völker sind „brutfrei“

Volk sitzt passend zur Oxalsäurebehandlung eng in der Wintertraube.
Anfang November 2025 wurden an Völkern in Niedersachsen (Elm), Bayern (Rottal) und Brandenburg (Havelluch) Populationsschätzungen durchgeführt. Erfasst wurden u. a. das Vorhandensein von Brut und die Volksstärke.
Das Bild ist eindeutig:
- In Niedersachsen und Bayern hatten Anfang November die meisten Völker noch Brut, teils mit verdeckelten Brutflächen verteilt auf mehrere Waben. Die Volksstärken lagen im üblichen Bereich überwinterungsfähiger Völker (deutlich über 5 000 Bienen).
- In Brandenburg war der Anteil brutfreier Völker höher, aber auch dort waren längst nicht alle Völker vollständig „aus der Brut“.
Viele Völker stecken Ende November 2025 noch mitten im Übergang – stark genug für den Winter, aber noch nicht zuverlässig brutfrei. Wer jetzt pauschal „alle am 1. Advent beträufelt“, behandelt an vielen Ständen zu früh.
Warum Oxalsäure im Winter nur einmal und nur brutfrei eingesetzt wird
Die Oxalsäure-Träufelbehandlung ist die Waffe im Winter gegen die Varroamilbe – aber nur unter zwei Bedingungen:
- Das Volk ist vollständig oder nahezu brutfrei.
Oxalsäure wirkt nur bei Milben, die auf den Bienen sitzen. Milben in verdeckelter Brut werden nicht erfasst. - Die Bienen sitzen in einer engen Wintertraube.
Dann wird die Lösung beim gegenseitigen Putzen gleichmäßig verteilt und erreicht das gesamte Volk.
Wird zu früh behandelt, ergeben sich zwei Probleme:
- Ein Teil der Milben überwintert geschützt in der Brut.
- Die Winterbienen tragen eine zusätzliche Säurebelastung ohne ausreichenden Nutzen.
Darum gilt: lieber einige Tage länger auf echte Brutfreiheit warten, als im Blindflug zu behandeln.
Brutfreiheit prüfen: Gemülldiagnose statt Rätselraten
Wer nicht jedes Volk im November komplett auseinandernehmen möchte, nutzt die Gemülldiagnose – einfach, schonend und sehr aussagekräftig.
So geht’s:
- Windel einschieben und 3–5 Tage eingelegt lassen.
- Nach dem Ziehen prüfen:
- Wo sitzt die Traube? (Gemüllstreifen, Wachsbrösel, Pollenstücke)
- Liegt frisches Zelldeckel-Gemüll auf der Windel?
- Frische, helle Zelldeckelreste im Brutnest-Streifen zeigen kürzlich geschlüpfte Brut an.
Fehlt dieses Brutgemüll und die Bienen sitzen eng, ist das Volk meist brutfrei oder kurz davor.
Zusätzlich kann der natürliche Milbenfall beurteilt werden:
- Sehr wenige oder keine Milben über mehrere Tage → Befall niedrig → Winterbehandlung oft verzichtbar.
- Deutlich erhöhter Milbenfall → Restentmilbung sinnvoll, aber erst nach Auslaufen der Brut.
Wetter und Winterbehandlung: DWD-Prognose sinnvoll nutzen

Bei Temperaturen unter 5 °C ist eine Behandlung der Bienenvölker mit Oxalsäure gut möglich.
Für die Oxalsäure-Träufelbehandlung eignet sich ein Tag mit:
- Temperaturen um oder knapp über 0 °C,
- trockenem, windschwachem Wetter,
- einem Volk, das eng sitzt.
Die aktuelle 10-Tage-Vorhersage des DWD zeigt:
- Im Westen und Nordwesten bleibt es mild (7–11 °C).
- Im Südosten und in höheren Lagen treten frostige Nächte häufiger auf, teils mit Glätte.
Das bedeutet für die Praxis:
- In milden Lagen lohnt es sich, auf ein stabileres Kältefenster zu warten, statt zwischen Regenfronten halbwarme Völker zu behandeln.
- In kälteren Regionen kann das passende Fenster für die Winterbehandlung bereits Anfang/Mitte Dezember erreicht sein.
Wer seine Planung mit der amtlichen Vorhersage abgleichen möchte, findet die Details unter 10-Tage-Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes.
Schritt für Schritt: Oxalsäure im Träufelverfahren anwenden
Ist der richtige Zeitpunkt gekommen – Völker brutfrei, Wetter passt –, lässt sich die Behandlung in wenigen Minuten erledigen.
Vorbereitung
- Zugelassenes Oxalsäure-Präparat nach Gebrauchsanleitung ansetzen oder gebrauchsfertig verwenden.
- Dosierhilfe bereitstellen (z. B. Spritze oder Dosierflasche mit ml-Skala).
Am Volk
- Deckel und Folie abnehmen, nur so weit öffnen, dass man die Traube gut sieht.
- Bienenbesetzte Wabengassen zählen:
- 3–5 Gassen → ca. 30 ml Lösung
- 6–7 Gassen → ca. 50 ml Lösung
- Die Lösung mit feinem Strahl langsam in die Wabengassen träufeln.
- Volk wieder schließen, ohne weitere Eingriffe.
Wichtig:
Nur einmal behandeln! Mehrfaches Träufeln bringt keinen Zusatzgewinn und belastet die Winterbienen. Der ausgelöste Milbenfall hält bis zu vier Wochen an – Maximum zwischen Tag 2 und 4.
Wann man die Winterbehandlung bewusst weglassen kann
Nicht jedes Volk braucht zwangsläufig eine Restentmilbung. Typische Fälle, in denen man auf Oxalsäure verzichten kann:
- Sehr niedriger natürlicher Milbenfall (z. B. deutlich unter 0,5 Milben/Tag).
- Sommer- und Herbstbehandlungen waren nachweislich wirksam.
- Völker wurden z. B. über Brutentnahme oder Versuchsschemata bereits sehr gut entmilbt.
In solchen Völkern ist eine zusätzliche Oxalsäuregabe eher „Beruhigung für den Imker“ als echter Nutzen fürs Volk.
Fazit: Erst hinschauen, dann träufeln
- Der Herbst 2025 war wetterlich kein klarer Winterstart.
- Populationsschätzungen aus Niedersachsen, Bayern und Brandenburg zeigen: Anfang November hatten viele Völker noch Brut – bei guter Volksstärke und unbeständig kaltem Wetter.
- Die aktuelle DWD-Prognose meldet mildes, weiterhin leicht unbeständiges Wetter mit regionalen Frostphasen.
Wer die Winterbehandlung mit Oxalsäure daran ausrichtet,
- warten auf Brutfreiheit,
- ein passendes Kältefenster nutzt,
- nur einmal behandelt und
- dort verzichtet, wo der Befall nachweislich niedrig ist,
der behandelt mit Köpfchen statt im Blindflug – und richtet sich nach den Bienen, nicht ausschließlich nach dem Kalender.

Meine Völker im Hunsrück gehen schon ab Mitte September aus der Brut. Auch Jungvölker. Im Okt. mache ich Popschätzungen. In den vergangenen Tagen unter O bekamen sie eine OS Träufelung. Ein Stand in Weinbergslage war auch total brutfrei und wurde vor ca 2 Wochen um 10 Grad mit Milchsäure besprüht. Ein Stand in einem warmen Obstbaugebiet heute Nachmittag bei 10,5 Grad und Brutfreiheit auch Milchsäure. Diese Völker besetzten 7 bis 8 Gassen.
Es gibt auch zwei Völker mit Null Milben und etliche unter 0,5, aber auch welche mit bis zu 3 täglich.
Hallo Alexander,
danke für deinen Einblick! Deine Beobachtungen zeigen gut, wie stark Brutfreiheit und Milbenfall je nach Standort variieren. Genau deshalb macht eine Behandlung „nach Kalender“ so wenig Sinn. Milchsäure bzw. Oxalsäure bei real brutfreien, eng sitzenden Völkern ist absolut passend – und Völker mit sehr niedrigem Milbenfall bestätigen, dass man die Winterbehandlung auch gezielt weglassen kann.
Danke fürs Teilen deiner Praxisdaten!
Viele Grüße
Richard
Guten Tag, ich imkere auf 880m. Vor 5 Tagen wurden alle Völker mit dem InstantVap Turbo bedampft. Im Gemüll keinerlei Anzeichen von Brut. So war die Winterbehandlung sowas von schnell fertig!
Guten Tag Peter,
danke für den Erfahrungsbericht. Auf 880 m Höhe sind frühere Brutfreiheit und damit ein klareres Zeitfenster für die Winterbehandlung gut erklärbar. Wenn keine Brut mehr vorhanden ist, ist eine einmalige, zügige Behandlung natürlich effizient. Ihr Beispiel zeigt sehr schön, wie stark Standort und Höhenlage den richtigen Zeitpunkt bestimmen.
Viele Grüße
Richard