Warum wird aus einer Larve eine Königin? Die Wirkung von Gelée Royale erklärt

Kurzfassung:
Warum wird aus einer Bienenlarve eine Königin, obwohl alle Larven genetisch gleich sind? Die kurze Antwort: weil bestimmte Larven während der gesamten Entwicklung große Mengen Gelée Royale erhalten. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Inhaltsstoff, sondern das Zusammenspiel aus Fütterungsmenge, Fütterungsdauer, Nährstoffbalance und Pflegeleistung im Volk. Auch die physikalischen Eigenschaften des Futters spielen eine Rolle.[1][2][3]

Was entscheidet über die Königinnenentwicklung?

Eine Larve entwickelt sich zur Königin, wenn sie über die gesamte Larvenzeit hinweg intensiv mit Gelée Royale versorgt wird. Die Daten sprechen dafür, dass dabei kein einzelner Stoff als alleiniger „Schalter“ wirkt. Entscheidend ist vielmehr das gesamte Fütterungsregime: Menge, Dauer und Zusammensetzung der Nahrung sowie die kontinuierliche Pflege durch Ammenbienen.[2]

Die Rolle der Royal-Jelly-Proteine (MRJPs)

Ein großer Teil der Proteine im Gelée Royale gehört zur Familie der Major Royal Jelly Proteins (MRJPs). Sie sind Nahrung für die Larven, können aber darüber hinaus weitere Funktionen haben – je nach Kontext, Gewebe und Umgebung.[1]

Wichtig für die Praxis: Auch wenn einzelne Proteine (z. B. MRJP1) in der Diskussion oft besonders hervorgehoben werden, zeigen kontrollierte Aufzucht- und Fütterungsversuche, dass sich die Königinnenentwicklung nicht zuverlässig über die gezielte Zu- oder Abwesenheit eines einzelnen Proteins erklären lässt.[2]

Mehr als Inhaltsstoffe: Die Konsistenz des Gelée Royale

Königinnenzellen hängen senkrecht nach unten. Die Larve liegt dabei auf der Oberfläche des Futters. Forschungsergebnisse zeigen, dass insbesondere MRJP1 zusammen mit einem Partnerprotein (Apisimin) ein faserartiges Netzwerk bilden kann, das Gelée Royale zähflüssig macht. Diese Viskosität trägt dazu bei, dass die Larve stabil in der Zelle gehalten wird.[3]

Die hohe Viskosität des Gelée Royale sorgt dafür, dass die Königinnenlarve in der senkrechten Zelle stabil auf dem Futtersaft liegen bleibt (nach Buttstedt et al. 2018).

Die hohe Viskosität des Gelée Royale sorgt dafür, dass die Königinnenlarve in der senkrechten Zelle stabil auf dem Futtersaft liegen bleibt (nach Buttstedt et al. 2018).

Was im Volk passiert: Pflegeleistung statt „nur“ Volksgröße

MRJPs werden vor allem von jungen Arbeiterinnen produziert, die als Ammenbienen tätig sind. Ihre Produktion steigt im Pflegealter deutlich an und nimmt später wieder ab, wenn die Bienen Sammelaufgaben übernehmen.[4]

Für die Brut- und Königinnenversorgung ist deshalb nicht automatisch die absolute Volksgröße entscheidend, sondern vor allem die Pflegeintensität: also wie viele aktive Ammenbienen im Verhältnis zur zu versorgenden Brut zur Verfügung stehen.

Klarstellung zur Praxis: Bezug zum Ein-Waben-Ableger

Das hilft auch beim Einordnen von imkerlichen Konzepten wie dem Ein-Waben-Ableger nach Pia Aumeier: Dort wird bewusst mit einer kleinen Startpopulation gearbeitet, die aber zügig durch Schlupf junger Bienen „pflegekräftig“ wird. Ein kleiner, wachsender Ableger kann dadurch zeitweise eine sehr hohe Pflegeleistung pro Larve erreichen – obwohl er insgesamt (noch) nicht groß ist.[5]

Fazit

Gelée Royale ermöglicht die Entwicklung zur Königin – aber nicht durch einen einzelnen Wirkstoff. Entscheidend sind die kontinuierliche und intensive Versorgung, die Pflegeleistung der Ammenbienen und die Bedingungen im Volk. Für die Praxis heißt das: Gute Pflegebedingungen und eine passende Altersstruktur sind oft wichtiger als eine möglichst große Ausgangsvolksstärke.[2][4]


Einzelnachweise

  1. Mureșan, C. I., Dezmirean, D. S., Marc, B. D., Suharoschi, R., Pop, O. L., & Buttstedt, A. (2022). Biological properties and activities of major royal jelly proteins and their derived peptides. Journal of Functional Foods, 98, 105286. doi:10.1016/j.jff.2022.105286
  2. Buttstedt, A., Moritz, R. F. A., & Erler, S. (2016). Royalactin is not a royal making of a queen. Nature, 537, E10–E12. doi:10.1038/nature19349
  3. Buttstedt, A., Mureșan, C. I., Lilie, H., et al. (2018). How honeybees defy gravity with royal jelly to raise queens. Current Biology, 28, 1095–1100. doi:10.1016/j.cub.2018.02.022
  4. Dobritzsch, D., Aumer, D., Fuszard, M., Erler, S., & Buttstedt, A. (2019). The rise and fall of major royal jelly proteins during a honeybee workers’ life. Ecology and Evolution, 9, 8771–8782. doi:10.1002/ece3.5429
  5. Aumeier, P. (o. J.). Eine Wabe ergibt ein Volk (Brutwabenableger bilden). Download.

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Richard Odemer

Richard ist passionierter Imker und Bienenwissenschaftler. Seit vielen Jahren verbindet er praktische Imkerei mit moderner Forschung zu Bienengesundheit und Volksentwicklung am Julius Kühn-Institut. In seiner Freizeit betreut er seine eigenen Bienenvölker und produziert regionalen Honig.

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2 Antworten

  1. Horst Mantel sagt:

    Hallo zusammen
    Eine Bitte
    Können sie bitte die Schrift etwas schwärzer einstellen? Man kann die hellgraue Schrift schwer und nur mit großer konzentration lesen. Danke

    • Hallo Herr Mantel,

      vielen Dank für Ihren Hinweis – solche Rückmeldungen sind sehr hilfreich.

      Die Schriftfarbe wurde bereits vor einiger Zeit von Grau auf eine schwarze Darstellung für den Beitragstext umgestellt. Zusätzlich habe ich nun die Schriftart angepasst und die Schriftgröße etwas erhöht, um die Lesbarkeit weiter zu verbessern.

      Falls bei Ihnen weiterhin eine hellgraue Schrift angezeigt wird, liegt das wahrscheinlich am Browser-Cache. In diesem Fall hilft es, die Seite einmal vollständig neu zu laden:
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