Nach sehr kaltem März ein sehr warmer April (?)

Arbeiterin auf Zierkirsche im April

In Kürze:

Der März war kühl. Der April macht nach kühlem Beginn sommerlich weiter.
Das „Große Blühen“ hat begonnen.
Der erste „Brutsatz“ ist am Schlüpfen. Die Völker wachsen vorerst nur langsam und werden ihr Brutnest rasch weiter ausdehnen.
Winterverluste? Eher normal als außergewöhnlich hoch!

Die Witterung im März wurde von drei Ereignissen geprägt:

  • Der Temperatursprung Anfang März von unter 0 °C auf über 10 °C am 4. März. Das frühlingshafte Wetter dauerte bis zur Monatsmitte.
  • Der Temperatursturz von über 10° C auf unter 0 °C am 16/17. März.
  • Ihm folgte ein langsamer Temperaturanstieg bis zum Monatsende, bei dem es bis Anfang April
    nachts fast immer frostig kalt war.

Die Folgen

Die Pflanzenwelt hielt sich zurück. Die Salweidenblüte begann mit Verspätung erst gegen Ende März und wird vor Mitte April beendet sein. Die Bienenvölker dehnten ab dem 4. März ihr Brutnest aus. Nach Mitte März stagnierte die Bruttätigkeit auf mittlerem Niveau. Da und dort wurde sie auch wieder eingeschränkt. Die ersten Jungbienen schlüpfen seit Ende März, doch ihre Zahl ist noch relativ gering. Mit einem deutlichen Anstieg der Volksstärke ist erst ab Ende April zu rechnen. Vorher wird das „Große Blühen“ stattfinden, da und dort hat es bereits begonnen. Wenn es keinen Rückschlag gibt, dann wird sich die Vegetation explosionsartig entwickeln, und die Völker werden in ihrer Entwicklung vorerst hinterherhinken. Sie kennen nur die „21-Tage-Geschwindigkeit“.

Was ist am Bienenstand zu tun?

Zwei-Zargen-Völker erhalten während der Kirschblüte den Honigraum über Absperrgitter und gleichzeitig einen Baurahmen, der in die obere Brutraumzarge an Position 2 (oder 9) gehängt wird. Dazu wird eine Randwabe entfernt.

Wenn im oberen Raum noch weitere Randwaben viel Winterfutter enthalten und keine Brut und keinen frisch eingetragenen Pollen, werden auch diese entfernt und gegen Mittelwände ausgetauscht. In der Regel fallen nicht mehr als eine oder zwei Futterwaben an. Die Mittelwände werden mitten ins obere Brutnest gehängt.

In einer Zarge sitzende Völker können ihre erste Erweiterungszarge über Absperrgitter (und damit als Honigraum) erhalten. Zuvor wird in der Überwinterungszarge eine Randwabe gegen den Baurahmen ausgetauscht. Der Baurahmen kommt auf die Seite, auf der das Volk sitzt, entweder in Position 2 oder 9.

Etwa 2-3 Wochen nach dieser ersten Erweiterung werden die Jungvölker ein zweites Mal und dann „nach unten“ erweitert, und zwar bevor sie beginnen, den Gitterboden mit Wildbau zu füllen. Für die Erweiterung gilt: Es gibt kein „Zu früh“, sondern nur ein „Zu spät“. Wenn noch nicht geschehen: Mäusegitter entfernen.

Am 21. April 2018 findet am Lehrbienenzentrum Hohenstein von 10-17 Uhr ein Seminar über die  „Völkerführung während der Schwarmzeit“ statt.


Ergebnisse der Umfrage „Völkerverluste 2017/18“

Abb. 1. Die Einzelergebnisse der Umfrage über die  im Winter 2017/18 aufgetretenen Völkerverluste „auf einem Blick“. 546 Imker mit 8060 eingewinterten Völkern haben sich beteiligt. 221 Imker haben kein Volk verloren, ihre Daten liegen auf der x-Achse bzw. bei y=0, die Daten von 4 Imkern bei y=100.

Abb. 2. Die Einteilung der Imker in Verlustklassen erlaubt einen Vergleich der Veranstaltungen nach Datum und Ort bzw. Region.  

Abb. 3. Die Völkerverluste der letzten 6 Winter im Vergleich. Neben den Säulen ist der Anteil der verstorbenen Völker angegeben, die in der Umfrage erfasst wurden. Die befragten Imker hatten  jedes Jahr im Durchschnitt mehr als 10 Völker eingewintert. Auch für die „verlustreichen“ Winter gilt, dass mehr als die Hälfte der Imker keine oder nur wenige Völker verloren hat! Völkerverluste sind daher eher auf individuelle Fehler zurückzuführen als auf die Umwelt.

Die erste Erweiterung auf Youtube

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9 Kommentare zu "Nach sehr kaltem März ein sehr warmer April (?)"

  1. Wunderbare Info für mich als Neuimker. Man könnte sagen Aumeier und Liebig sind das Vademecum der Imker. Nachdem ich bereits die Honigzargen auf meine Einzarger gepackt habe ergibt sich nun die Chance mit 2 Brutzargen weiter zu imkern.
    Dazu eine Frage: Kann ich eine Brutraumerweiterung unten mit „warmen Rähmchen“ in DNM durchführen, um diese Waben dann in meine leere Segeberger Beute um zu logieren? Wenn ja wieviele Rähmchen kann ich entnehmen ohne mein Zandervolk zu schädigen. Kann ich auch mit DM Rähmchen ohne Mittelwand die Brutzargenerweiterung durchführen? oder gibt es eine bessere Methode einen Ableger von Zander nach DM durchzuführen?
    Vielen Dank für einen Tip, Link, Literatur.
    LG

    Alex Renz

  2. Der mit Liebig geht versteht die Imkerei. Er lernt worauf es ankommt.

  3. Hallo, ich habe meine Völker einzargig übernommen und zwar erst Anfang April. Ich habe danach recht bald(schon nach zwei Tagen) mit einem zweiten Brutraum erweitert, die Völker hingen durch, da ich nicht wusste das in dem Fall wie oben beschrieben erst mit dem Honigraum mit Absperrgitter erweitert wird. Wann sollte ich jetzt mit dem Honigraum erweitern?

  4. Danke für die tollen Infos hier!
    Habe jedoch eine Frage.
    Oben im Text steht, dass einzargige Völker oben auf den Honigraum MIT Absperrgitter bekommen und dann (später) unten drunter den 2. Brutraum.
    Im Video wird aber eine Zarge OHNE Absperrgitter aufgesetzt. Ist das jetzt der 2. Brutraum? Bin grade etwas verwirrt (als total Anfängerin 😉 )

    Vielen Dank!

  5. Rosemarie Bauer | 10. April 2018 um 05:58 | Antworten

    Vielen Dank für die wertvolle Aufklärungsarbeit die Sie leisten! Ich habe als Jungimkerin von Anfang an mich an Ihrer Betriebsweise orientiert und imkere jetzt erfolgreich im 5. Jahr. Auch Ihr Buch :“Einfach Imkern“ war mir dabei eine grosse Hilfe. Inzwischen kaufen Altimker bei mir Bienenvölker.Konnte auch Andere auf Ihre Infoquelle hinweisen. Nochmals Danke! Ebenso auch die wertvollen Beiträge von Dr. Pia Aumaier

  6. Wer Dr.Pia Aumeier & Dr.Gerhard Liebig hört & versteht weiss Bescheid MfG

  7. Dank Aumeier und Liebig imkere ich seit 2011 immer erfolgreicher.

    Vielen Dank!!!!!!!!

  8. Danke! Ich habe Pia Aumeiers Vortrag im Februar gehört und verstanden. Seit fünf Jahren imkere ich mit vielen Sorgen und schlaflosen Nächten aus Angst, etwas falsch zu machen – dank Immenlieb und Pia Aumeier ist jetzt Schluss damit. Viele althergebrachte Irrtümer sind wissenschaftlich widerlegt, wo ich ein ungutes Gefühl hatte – zum Beispiel „erst aufsetzen wenn die Traube durchhängt“ ist tatsächlich völliger Unsinn. Meinen Bienen geht es gut, alle Völker haben den Winter gut überlebt. Jetzt bin ich ein Imker, der nicht dauernd Angst haben muss, alles falsch zu machen, das ist so schön! Danke!

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