Das Große Blühen hat begonnen

Apfelblüte mit Biene

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In Kürze:

  • Das Wetter:
    Dem „Frühling im Februar“  folgte eine fast durchgehend kühler(er) März. Nur in der dritten Dekade war es im März zweimal kurzzeitig frühlingshaft mild. Der April begann launisch, anfangs kühl, dann warm.  Ab morgen soll es auch wieder kühler werden und erst nach Mitte April beständig warm.
  • Die Pflanzenwelt:
    Das Große Blühen hat Ende März eingesetzt. Kirschen, Ahorn, Löwenzahn blühen und demnächst  auch die Rapsfelder.
  • Die Völker:
    Dem Frühling im Februar folgte ein März, der in seiner ersten Hälfte sehr kühl war (vgl. Abb. 1), was zu einem „Brutknick“  führte, als der im Februar angelegte Pollenvorrat aufgebracht war. Diesem „Brutknick“ folgte Ende März ein „Bienenknick“. Witterungsbedingt konnten die Völker erst in der dritten Märzdekade wieder verstärkt Pollen eintragen. Seitdem wachsen die Brutnester wieder und demnächst –drei Wochen später– werden die Völker auch an Bienen deutlich zunehmen und an warmen Tagen außer viel Pollen auch viel Nektar sammeln. Die Schwarmzeit könnte noch im April beginnen.

Abb. 1 Der Verlauf der Tageshöchsttemperatur der Wetterstation Essen im Rückblick, kopiert am 9. April 2019 gegen 12 Uhr. Quelle:  https://www.wetteronline.de/wetterdaten/bochum. 

Was ist am Bienenstand zu tun?

Zwei-Zargen-Völker erhalten den Honigraum über Absperrgitter und gleichzeitig einen Baurahmen, der in die obere Brutraumzarge an Position 2 oder 9 (bei 10 Waben-Zargen) gehängt wird. Dazu wird eine Randwabe entnommen. Wenn sie Winterfutter enthält wird sie für die ab Ende April anstehende Ablegerbildung aufbewahrt.

Wenn in der oberen Zarge des Brutraumes noch weitere Randwaben viel Winterfutter enthalten und keine Brut und keinen frisch eingetragenen Pollen, werden auch diese entnommen und gegen Mittelwände ausgetauscht. In der Regel braucht man nur eine oder zwei. Diese Mittelwände werden ins obere Brutnest gehängt; und zwar jede zwischen zwei Brutwaben. Das gewährleistet ihren raschen Ausbau und rasche Bestiftung.  So wird das Brutnest oben in die Breite gezogen; dann wird der Honigraum über dem Absperrgitter besser angenommen.

Völker, die immer noch auf einer Zarge sitzen, weil sie schwach aus dem Winter gekommen oder noch nicht „in Schwung“ sind, können ihre erste Erweiterungszarge über Absperrgitter (und damit als Honigraum) erhalten. Zuvor wird in der Überwinterungszarge eine Randwabe gegen den Baurahmen ausgetauscht. Der Baurahmen kommt entweder in Position 2 oder 9.

Etwa 1-3 Wochen nach dieser ersten Erweiterung werden diese Jungvölker ein zweites Mal und dann „nach unten“ erweitert, und zwar bevor sie beginnen, den Gitterboden mit Wildbau zu füllen.

Umfrage zur Auswinterung 2019 abgeschlossen

Auch in 2019 wurden die Vortragsveranstaltungen im Frühjahr für eine Umfrage genutzt, bei der die Teilnehmer nach der Anzahl der eingewinterten und ausgewinterten Völker gefragt werden.  Diese Umfrage wird seit 2013 durchgeführt.

Die Befragung von 842 Imkern bei 15 Veranstaltungen im Frühjahr 2019 hat die Resultate der Vorjahre bestätigt (Abb. 2, Abb. 3, Tab.1):

  • Wie in den Jahren zuvor liegt auch in 2019 die Verlustquote zwischen Null und 100 Prozent. Es gibt Imker, die kein Volk verloren haben (sie stellen mit 44% die relative Mehrheit), aber auch einige Imker (10 von 842), denen alle Völker gestorben.
  • Der Anteil der im Winter verstorbenen Völker liegt in 2018/19 mit 14% ähnlich hoch wie in den Wintern zuvor.
  • Für jeden Winter, auch für die „verlustreichen“ Winter gilt, dass mehr als die Hälfte der Imker keine oder nur wenige Völker (<10%) verloren hat.
  • Völkerverluste sind daher eher auf individuelle Fehler zurückzuführen als auf die Umwelt. Es galt und gilt, in Stadt und Land: „Der Fehler steht hinter dem Kasten.“

Abb. 2 Die Völkerverluste im Winter 2018/19. Von Mitte Februar bis Anfang April wurden auf 15 Veranstaltungen insgesamt 842 Imker anonym nach der Anzahl der eingewinterten und ausgewinterten Völker befragt.

Abb. 3 Die Umfrage-Ergebnisse von 7 Jahren im Vergleich. Die Winterverluste schwanken zwischen -8% und -17%. Jedes Jahr wurden von den befragten Imkern im Durchschnitt mehr als 10 Völker eingewintert.  

 

Tab. 1 Statistik der Völkerverluste 2018/19. Die Imker der Verlustklasse „keine“ machen 44% der befragten Imker aus und haben mit durchschnittlich 8 Völkern deutlich weniger Völker eingewintert als die Imker der anderen Verlustklassen. Daraus kann geschlossen werden: Die Gleichung „Hobby-Imker = Problem-Imker“ ist falsch.
Die meisten Völker haben die Imker der Verlustklasse „>0% bis 10%“ eingewintert, im Durchschnitt waren es 39, von denen im Durchschnitt 6% bzw. 2 oder 3 Völker im Winter verlorengingen. Das ist kein „Beinbruch“ und beweist, dass man heutzutage auch eine überdurchschnittlich große Völkerzahl nahezu verlustfrei halten kann.

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Über den Autor

Gerhard Liebig
Hier schreibt Dr. Gerhard Liebig. Er war 37 Jahre lang an der Landesanstalt für Bienenkunde in Stuttgart-Hohenheim angestellt und hat dort in Langzeitprojekten die Populationsdynamik von bienenwirtschaftlich wichtigen Honigtauerzeugern auf Fichte und Tanne sowie die Entwicklung von Bienenvölkern und ihres Varroabefalls untersucht.

2 Kommentare zu "Das Große Blühen hat begonnen"

  1. Guten Morgen Dr.Liebig
    War doch gar kein strenger Winter,mit längeren unter 0′.
    Immer auf & ab.Im Februar oft sehr mild & richtig warm.
    Da es im letzten Jahr auch viel Waldhonig/Zement gab & nicht alles geerntet
    konnte & in den Völkern blieb. Auch das zu Binenverlusten führte.
    Sicher ist das keine Entschuldigung!! Von der Behandlung mit AS & Temperatur
    auch nicht. Aber so lang es Bienenfachberater?? & Ausbilder??gibt die gegen
    Schubladen sind, wird’s Nicht’s.So issest.Wie soll da eine Kontrolle statfinden. Also nicht nur hinter dem Kasten
    steht der Fehler sondern Vorne am Rednerpult.
    Schade!Sehr gute Anweisungen & weiter so
    MfG R.E

  2. Hallo Herr Dr. Liebig,

    Vielen Dank für die zeitnahe Statstik der Völkerverluste 2018/2019. Während anfang dieser Woche erst die Umfrage der Bieneninstitute beginnt, kann man bei Ihnen schon Ergebnisse sehen.
    Wir führen in unserem Verein schon das 2. Mal eine „Totenschau“ durch. Hier können die Imker verstorbene Völker mitbringen und diese werden direkt einer gemeinsamen Diagnose unterzogen. In diesem, wie im letzten Jahr sind auch bei uns die Völkerverluste auf die Varroose zurückzuführen. Das gegen die Milbe behandelt werden muss, hat sich wohl manifestiert, aber dass man vorher den Befallsgrad ermitteln muss, während der Behandlung den Mibrnfall erfassen muss und auch im Anschluss kontrollieren muss, kriegt man irgendwie in die Imkerköpfe nicht so leicht rein. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Es kann nur besser werden.
    Liebe Grüße
    P.W.

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